Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 23 (1926)
- Issue
- Heft 4 (November 1926)
- Date
- 1926-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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m Das zionistische Btldttrigsp'röbleif* durchzufuhren, und es ist ja in dieser Hinsicht nichts damit getan, daß es de jure eine große Anzahl jüdischer Erziehungs- und Bildüngsanstalten gibt. Es folgt also unmittelbar, daß die nationale Bedeutung des Erziehungswerkes im Osten nicht über die tafsächlichen Schwierigkeiten hinwegzutäuschen vermag, die der Schaffung einer wirklich neuen Tradition, den Möglichkeiten des Entstehens einer gesellschaftlich relevanten Bildung aüch im Osten entgegenstehen. Aus diesem Grunde wird sich der ganze Unterschied in der Behandlung der Erziehungs- und Bildungsfrage für den Westen und für den Osten beschränken auf die Verschiedenheit des Ausmaßes, der Größen, mit denen wir . zu rechnen haben, der Summanden, die wir zu addieren haben, er wird aber nicht zu fassen sein als ein Unterschied zwischen soziologisch, prinzipiell geschiedenen Volksteilen. Und es folgt daraus schließlich, daß es für uns nicht ein östliches und ein westliches, sondern — in allem Wesentlichen — nur e i n in sich eindeutiges und greifbares Bildungsproblem gibt. Wenn man von diesem Gesichtspunkt aus an unsere Frage herantritt, so muß zunächst eines mit absoluter Klarheit erkannt und festgehalten werden, wTenn wir uns nicht unhaltbaren Illusionen auch weiterhin anvertrauen wollen. Es ist eine Selbsttäuschung, ein romantischer Betrug, zu glauben, daß durch irgendwelche Mittel, durch irgendein Rezept, durch irgendeinen Stein der Weisen die onthologisch greifbare Tatsache der Verknüpfung des einzelnen geistigen Seins mit dem Ganzen der Nation zu gewinnen ist. Wir müssen uns darüber klar sein, daß unser Werk immer Stückwrerk bleiben wird, daß es in der Gallith die Bildung eines ganzen jüdischen Menschen logischer- und soziologischerweise eben nicht gibt und nicht geben kann. Dieser Erkenntnis gegenüber — und sie ist eben eine zionistische Grunderkenntnis —- sind alle jene Losungen vom „Wall gegen die Umwelt, Intensivierung des Zionismus" und dergl. durchaus bedeutungslos. Wir werden mit solchen Parolen dem objektiven Assimilationsbestand nicht Paroli bieten, sondern werden nur weiterhin ein bequemes Nebengleis schaffen für die allzu vielen unten uns, deren Ruhebedürfnis auf diese Weise hinlänglich befriedigt wird. Der wahre Zionismus beginnt erst bei der bitteren Erkenntnis von der Ohnmacht des jüdischen Volkes, von der Verwerflichkeit jenes zio^ nistischen Pharisäismus, der sich heute allzu sehr unter uns breit macht. Und wer die Wahrheit liebt, muß zugeben, daß letzten Endes jüdische Bildung in unserem neuen Sinn (und darin ist beschlossen auch eine neue Form der Konzeption des Göttlichen) erst in der sich erneuernden jüdischen Gemeinschaft in Palästina möglich sein wird. Was bleibt uns also in der Galuth zu tun? Nichts anderes, aber auch nichts Geringeres als Vorbereitung. Oberstes Ziel für uns wird es jederzeit sein müssen, daß unsere Menschen bereit sind, den letzten Schritt zu tun, bereit nicht nur im technischen, sondern vor allem im geistigen Sinne dieses