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Der jüdische Student · 1926-06-01 · Heft 3 (Juni 1926) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
23 (1926)
Issue
Heft 3 (Juni 1926)
Date
1926-06-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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64 j ü d i sehe Jugend zu nennen. I c 11 glaube an eine Ausstrahlung des jüdi se hen Geistes aus dem palästinensischen Zentrum, lehne es aber ab, das ..als ob Prinzip" in der .lugend hochzuzüchten. als ob die Umwandlung unserer Menschen zu bewußten Nationaljuden durch ein Wunder geschehen könnte oder durch die bloße Tatsache des Bestehens dieses Zentrums. Wir müssen vielmehr unsere ganze Kraft und unseren ganzen Willen aufbringen, um in uns allen die Sehnsucht nach dem Wiedererstehen des jüdischen Lebens und der jüdischen Kultur Wirklichkeit werden zu lassen. Nur in der lebendigen hebräischen Sprache wird die Atmosphäre des Judentums geschaflen. welches der Zionismus erstrebt. Zwischen Schaffenden und Aufnehmenden muß ein Ausgleich M*in. ein Ansporn, und wer ist dazu mehr prädestiniert als die .Ligend. die unsere Literatur liebt. Gedanken gebiert und verwirft, k urz lebt V Wie soll aber unsere Bewegung trotz der wunderbaren, beinahe übermenschlichen Krfolge ihren Weg zur Höhe behalten, ihre immer wieder autflommende Stärke bewahren, wenn sie die furchtbare Materialisierung konstatieren muß. die unsere Jugend beherrscht, wenn sie die erschreckend große Zahl derer sieht, die der Bewegung fern stehen? Unsere Organisationen sind voll von immer älter werdenden Mensehen. Der Zionismus wird dadurch von einem immer rulliger und friedlicher werdenden Geiste durchdrungen, denn durch den Mangel neuer, wirklich junger treibender Kräfte verschwindet der revolutionäre Geist. Zionismus ist für uns etwas Linfaches. kampflos zu Frwerhende* geworden, weil wir zu Fertigem kommen. Wir müssen uns unsere nahe Stellung zum Zionismus wieder erkämpfen, um nicht zum bloßen Narnenszionisten zu werden. Die 1 d ee muß in uns wieder Wurzel fassen. Mit Bewunderung und Verehrung stellen wir vor den Menschen, die in übermenschlicher Arbeit sich und uns Palästina bereiten. Der Wunsch, diesem Beispiel nachzuahmen, muß in uns lebendiger Vorsatz, fester Wille werden: er muß uns ein leuchtendes Wegzeichen sein, daß der Zionismus nicht beginnt und endet mit der Sammlung \on Mitteln, nicht in fruchtlosen Vereinsmeiereien, sondern daß Zionismus eine Forderung an all»* Juden ist: Rückkehr zum Judentum, lebendiger Zusammenschluß. Praktisc he Arbeit für Palästina, größte und kleinste, muß Hand in Hand mit hoffendem und gläubigem Idealismus gehen, denn nur durch die Idee blüht und wächst der Zionismus. Wie oft stehen wir vor der Tatsache, daß durch un\ermeidliche Kompromisse, durch die oft erlebte Herabwürdigung der Organisation zur bloßen Geldsammeimaschine sich ein in den Hintergrunddrängen der Ideale auswirkt. Gewiß, in dem täglichen Fortschreiten unserer Arbeit darf der kritische, vorsichtig abwägende Verstand nicht fehlen. Aber wir dürfen ihn nicht Platz greifen lassen auf Kosten unserer Ideale, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, daß der begeisterte Opferwille schwindet, unsere Quellen versagen und schließlich unsere ganze Arbeit Schiffbruch erleidet. Von jedem jungen Zionisten hat <üt> Bewegung das Hecht, zu fordern, daß sein unerschütterlicher Glaube Wundtr vollbringt, denn nur die 7.u allem Fnerhürten entschlossene Jugend, nur radikaler Opfer- und Arbeitswille führt zu neuem produktiven Leben.

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