Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 6 (August 1925)
- Date
- 1925-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537625-3537629--6375-3544452- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Protokoll der Präsldiumssifrung vom 19. lull 1925 isa Chaluziuth hervorgebracht hat, die sehr stark bestimmt ist durch die Problematik der Jugendbewegung, und bedenkt man außerdem die Erfahrungen, die man in Palästina mit diesem Menschenmaterial gemacht hat, so wird man zu der Überzeugung gelangen, daß, wenn wir überhaupt in Palästina in der Landwirtschaft Fuß fassen wollen, wir zu einer eigenen Siedlung kommen müssen, selbst wenn sie nicht den hohen Anforderungen entspricht, die man einmal beispielsweise in Schearjaschuw, das ja die Inkarnation deutschen zionistischen Wesens sein sollte, stellte. Auch vom K.J.V. aus gesehen wird es notwendig sein, bei verstärkter Chaluziuth im Kartell ein eigenes Werk ins Auge zu fassen, vielleicht in Zusammenarbeit mit dem Blau weiß, nicht nur, weil man selbstverständlich Verantwortung für jeden Bundesbruder, der diesen schwierigen Weg geht, zu übernehmen hat, sondern auch deshalb, weil die Vorstellung gemeinsamen Wirkens in Palästina. einen stärkeren Anreiz für die Umschichtung bildet. Bbr. Alfred Schwarz glaubt nicht, daß man im K.J.V. viele Bundesbrüder zur Hachscharah beinflussen könne. Wenn die Bundesbrüder tatsächlich einen landwirtschaftlichen oder handwerklichen Beruf gewählt haben, könnten wir für sie nichts mehr tun, sie müßten sich dann z. B. dem Blauweiß anschließen. — Es wäre Aufgabe der palästinensischen Bundesbrüder, diejenigen, die hinüberkommen, zu stützen und ihnen zu helfen. Es ist allerdings unbedingt darauf zu achten, daß nur solche Bundesbrüder hinübergehen, die in ihrem Fach gründlich ausgebildet sind. Auf die Z a h 1 der K.J.V.er drüben kommt es nicht an. Der Palästina-Fonds sollte die Aufgabe übernehmen, unbemittelten Bundesbrüdern die Möglichkeit zu geben, sich hier den Bedürfnissen Palästinas entsprechend ausbilden zu lassen. Bbr. Herlitz glaubt mit Schwarz, daß das K.J.V. sich als akademischer Bund nicht mit Hachscharahproblemen zu beschäftigen brauche. Bbr. F o e r d e r : Unsere Hauptaufgabe ist es, für Einzelne den Weg nach Palästina zu bahnen. Dazu sollen die Richtlinien, die nach Berichten aus Palästina ausgearbeitet werden sollen, dienen. — Wenn K.J.V.er in die Landwirtschaft gehen, so werden sie auch dann das Bedürfnis haben, mit ihrem alten Kreis weiter zu leben. Eine Umstellung von dem einen Kreis in den anderen ist nicht möglich. Bbr. Mandelbaum weist darauf hin, daß das K.J.V. damit, daß seine Menschen sich in Muße in Deutschland ausbilden können, eine große Chance habe, die man ausnutzen müsse. Ferner meint Bbr. M., daß ein großer Unterschied zwischen handwerklicher und landwirtschaftlicher Hachscharah bestünde. Beim Landwirt kommt es weniger auf seine praktischen Kenntnisse, als auf Ausdauer und Energie an. *) Durch eine entsprechende Stellenvermittlung müsse man dafür sorgen, daß die Bundesbrüder sich in Deutschland in geeigneter Weise vorbilden können. Bbr. W o 1 f f - Tel-Awiw: Wenn wir nur zehn Landwirte im Jahr bekämen, so wäre das für das K.J.V. schon ein Erfolg. Überall wo deutsche Juden glauben, sich drüben eingegliedert zu haben, haben sie sich fast unter Selbstaufgabe völlig assimiliert. Das *) Anmerkung der Redaktion: Diese Ansicht dürfte von Sachverständigen kaum geteilt werden.