Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 6 (August 1925)
- Date
- 1925-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Aus der Korrespondenz des Präsidiums Die Bitten bezw. Forderungen, die wir an Euch haben, sind an sich Selbstverständlichkeiten, wir sprechen sie nur nochmals aus, damit keinerlei Mißverständnisse entstehen, und unsere weitere Zusammenarbeit nicht durch diese in irgend einer Weise gestört wird. Ich sehrieb bereits im letzten Brief, daß wir unbedingt darauf bestehen müssen, daß Ihr die bis jetzt getriebene selbständige Außenpolitik aufgebt. Es ist bei uns im Kartell so — Ihr werdet darüber orientiert sein —, daß die verschiedensten Meinungen und Richtungen in ihm Platz haben. Es gibt aber eine einheitliche Willensbildung auf dem Kartelltag. Diese wird durch Majorität festgestellt, sie wählt das Präsidium, und nur dieses, keine andere Gruppe ist berechtigt, den Willen der Majorität zu vertreten, insbesondere das Kartell nach außen zu repräsentieren. Als Verbindung hättet Ihr auf keinen Fall das Recht, eine derartige selbständige Außenpolitik, wie Ihr sie wohl bis jetzt getrieben habt, weiter zu führen. Weiter hätten wir eine Reihe von Forderungen, die darauf abzielen, den Konnex mit dem K.J.V. möglichst eng zu gestalten. Ihr werdet mit uns darin übereinstimmen, daß es sinnlos ist, Euch nur formell aufzunehmen, ohne daß es wirklich zwischen der Leitung, dem Präsidium, dem Gesamtkartell und Euch Bindungen gibt, oder gar, ohne daß die Möglichkeit des Sichkennenlernens und der gegenseitigen Beeinflussung gegeben ist. Um dem entgegenzutreten, halten wir für erforderlich die Gründung eines Bezirksverbandes Lettland im K.J.V., dem einmal die Hasmonaea angehört, außerdem sämtliche K.J.V.er. Dieser Bezirksverband müßte sich bald konstituieren und eine kontinuierliche Arbeit führen. Er müßte insbesondere mit dem Präsidium in fortlaufender Verbindung stehen. Jährlich einmal müßte eine große Tagung des Bezirksverbandes stattfinden, auf der ein Präsidialmitglied anwesend wäre und Gelegenheit hätte, in einem größeren politischen Referat die Meinung des Präsidiums und damit die der Mehrheit des Kartells zum Ausdruck zu bringen. Auf der anderen Seite scheint es uns unbedingt notwendig, daß Ihr von Euch aus Gelegenheit habt, die Bundesbrüder im Kartell kennen zu lernen. Die von Euch gewählten Kartelltags-Delegierten müßten deshalb unbedingt auch tatsächlich am Kartelltag teilnehmen. Hier darf es nicht, wie es das letzte Mal leider bei Euch der Fall war, irgendwelche Hinderungsgründe geben. Es wäre auch, wobei wir die finanziellen Schwierigkeiten durchaus nicht verkennen, sehr wünschenswert, wenn Ihr, wenn nicht regelmäßig, so doch bisweilen an den zwischen den Kartelltagen stattfindenden sogenannten Erstchargierten-Tagungen, an denen gewöhnlich sehr konkret und eingehend die Probleme des Kartells besprochen werden, Euch beteiligen würdet. Schließlich haben wir noch eine Forderung für die innere Arbeit Es muß in der Verbindung, der wir ja schon die weitgehende Konzession, die für uns kaum tragbar ist, daß sie die einmal angeschaffte Couleur beibehalten kann, feststehen, daß die Satisfaktion mit der Waffe auf keinen Fall in Frage kommt. Ich brauche Euch hierüber nichts Grundsätzliches zu schreiben. Uns kommt es darauf an, daß die erzieherische Tendenz dahin geleitet wird, daß man nicht etwa nach einem Jahr weiterer Entwicklung glaubt, nun auch in der Frage der Satisfaktion irgend einer anderen Verbindung nicht nachstehen zu dürfen. Es muß besonders den jungen Bundesbrüdern von vornherein klar gemacht werden, daß für uns, bezw. für Euch das Tragen der Goleur eine im zionistischen Sinne erfolgte bittere Notwendigkeit ist, und daß es