Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 6 (August 1925)
- Date
- 1925-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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166 Aus der Korrespondenz des Präsidiums. der anderen Seite werden wir uns aber völlig klar darüber sein müssen, daß es bei derartigen Organisationen, wie es unser Kartell ist, keinen Stillstand, keine Freude am Geleisteten gibt, sondern Leben eines Bundes bedeutet, daß er imstande und bereit ist, von Entwicklung zu Entwicklung zu schreiten. Ein lebendiges K.J.V. fordert von uns ein Bemühen um wirklichen Fortschritt, insbesondere, da ja der Wiederaufbau des Kartells im wesentlichen nur ein Schaffen der Voraussetzungen für künftige Leistung war. Das Präsidium wird sich in seiner Arbeit fortlaufend mit den auf dem K.T. angeschnittenen Fragen beschäftigen und den Versuch machen, die Anregungen in reale, für das Kartell verwertbare Leistungen umzusetzen. Es genügt aber naturgemäß nicht, daß nur ein kleiner Kreis von Bundesbrüdern, dessen Aufgabe es allerdings ist, die geistige Orientierung des Kartells leitend zu beeinflussen, sich mit diesen Dingen auseinandersetzt, sondern uns liegt vor allem daran, daß sich sämtliche, heute wirklich lebendigen Kreise des Kartells ebenfalls — sei es angeregt von uns, sei es uns Anregungen übermittelnd — mit unseren verschiedenen Aufgabengebieten befassen. Unsere nächste Arbeit muß unter dem Zeichen erkennbarer Vorwärtsentwicklung stehen; auf den verschiedensten Gebieten sind Umänderungen, Verbesserungen dringend notwendig. Das Präsidium wird sich in einer seiner nächsten Sitzungen zunächst einmal mit der Frage des J.St. befassen. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß wir ein besonderes Korrespondenzblatt geschaffen haben, in dem sozusagen die Interna des Kartells, Berichte der Verbindungen, Mitteilungen des neuen A.H.-Präsidiums usw. erscheinen werden. Es ist durchaus wichtig, daß die einzelnen Gruppen des K.J.V. durch ein derartiges Informationsblatt über die Arbeit der anderen an Hand von Material sich genau orientieren können. Der J.St. als solcher muß immer mehr ausgebaut werden, um seine verschiedenen Aufgaben in geeigneterer Weise als dies bisher der Fall war, nachzukommen. Nach wie vor muß er zu einer grundsätzlichen Diskussion über Kartellprobleme zur Verfügung stehen. Wir werden ihn dann vor allem notwendig gebrauchen zur Unterstützung einer unserer wesentlichsten Aufgaben, dem Vertrautmachen unserer Bundesbrüder mit den Vorgängen und Fragen der zionistischen Politik und Bewegung. Daneben soll versucht werden, durch entsprechende Hinweise auf Zeitschriften und durch geeignete Bücherbesprechungen auch über allgemeine politische und wissenschaftliche Themen die politische Bildung im Kartell zu heben. Dringend reformbedürftig ist unser Unterrichtssystem. Nach wie vor werden wir unseren Bundesbrüdern eine möglichst gediegene Einführung in die zionistische Materie, eine Orientierung über die Geschichte des Zionismus, seine verschiedenen Denker und Strömungen geben müssen. Doch dies ist im Augenblick nicht mehr genügend. Die eigentliche politische Schulung muß erst beginnen bei dem Bundesbruder, der im Burschenexamen gezeigt hat, daß er die Voraussetzungen zionistischen Denkens sich angeeignet hat. Unsere wichtigste Aufgabe liegt neben einer gewissen neuen Gruppierung des Bildungsstoffes für unsere jüngsten Bundesbrüder in der richtigen Erziehung unserer Burschen. Wir müssen dabin kommen, daß es uns gelingt, in jeder Verbindung einen Kurs zu schaffen, der neben den wichtigsten Fragen unserer Bewegung sich insbesondere auch mit den Vorgängen Palästinas und den vielfachen, teilweise recht komplizierten Fragen, die der Aufbau des Landes mit sich bringt, befaßt. Auch hier werden