Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 4-5 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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150 An den Kartelltag welcher Sprache verhandelt werden sollte. Aus Opportunitätsgründen wurde für diese Sitzung Deutsch vorgeschlagen, ohne damit für weitere Konvente prinzipiell etwas festzulegen. Es sei hier gleich einschaltend bemerkt, daß die überragende Mehrzahl der anwesenden Bundesbrüder Hebräisch zum mindesten versteht, andererseits aber vielen noch die Sprachkenntnis abgeht, die dazu nötig ist, um etwa über Kartellfragen auf Hebräisch diskutieren zu können. Bileski wies dann auf den bevorstehenden Kartelltag hin und gab Fritz Simon das Wort, der das übrigens nicht allzu reichliche Material — so haben wir den Kartelltags- J.St. bis heute noch nicht erhalten — den Bundesbrüdern zur allgemeinen Kenntnis brachte. Gegenstand der darauf einsetzenden Diskussion bildeten folgende Punkte: 1. Stellung des Kartells zur palästinensischen Arbeiterschaft. 2. Schaffung einer Wirtschaftsposition des K.J.V. in Erez Israel. 3. Autonomie der Altherrenschaft. 4. Fusionen mit der „Hatikwah" und dem B.Z.K. 5. Maasser-Verpflichtung der Bundesbrüder. 6. Gründung eines Altherrenbundes Haifa im Landesverband Erez Israel. 7. Schaffung einer K.J.V.er-Herberge in Haifa. 8. Wahlen zum Kartelltag und Altherrentag. A d. 1. K.J.V. und Arbeiterschaft. In der Diskussion wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Beziehungen zwischen K.J.V. und Arbeiterschaft nicht derart seien, daß eine ausdrückliche Stellungnahme erfolgen könne; es wurde auch auf den für das K.J.V. geltenden Grundsatz der Neutralität gegenüber innerzionistischen Gruppierungen hingewiesen. Ad. 2. Wirtschaftsposition in Erez Israel. Fritz Simon äußerte die Ansicht, daß dieser Plan des Präsidiums sein Entstehen mehr den politischen Kämpfen innerhalb der deutschzionistischen Jugend (Konkurrenz mit dem Blau-Weiß) als sachlichen Erwägungen verdanke. Man habe sich nicht einmal die Mühe genommen, auf Grund von Anfragen bei den palästinensischen Bundesbrüdern mit konkreten sachlichen Vorschlägen vor das Kartell zu treten, sondern vom grünen Tisch aus etwas beschlossen, um den Blau-Weiß-Werkstätten kartellpolitisch pari bieten zu können. Auch Hecker wandte sich scharf gegen den Dilettantismus, der in den führenden Stellen des Kartells zu herr sehen scheine, und betonte die Aussichtslosigkeit eines solchen Unternehmens. Bileski wandte dagegen ein, daß man den Plan der Schaffung einer Wirtschaftsposition nicht a priori verurteilen dürfe, wenn er auch, wie übrigens alle anwesenden Bundesbrüder, im Augenblick keine Möglichkeiten der Verwirklichung sieht. Immerhin zeige sich doch darin die stets stärker werdende Ver