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Der jüdische Student · 1925-06-01 · Heft 4-5 (Juni 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 4-5 (Juni 1925)
Date
1925-06-01
Page
[Seite] (sequence 46)
Language
German
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148 An den Kartelltag „Die sorgenvolle Frage, ob die Jungen den Willen und die Kraft haben werden, dieses Erbe (der Alten) zu verwalten und — unter abgewandelten Formen — zu vermehren, ist in Dresden weder positiv noch negativ beantwortet worden. Daß sie noch nicht positiv beantwortet werden konnte, ist schlimm, und die Jungen müssen sich darüber klar sein, daß die Antwort bald kommen, und daß sie positiv sein muß, um des deutschen Zionismus willen, wie man in Dresden wieder gesehen hat." Ich glaube nach den eingangs des Briefes gemachten Feststellungen, daß die Jungen eine positive Antwort gegeben haben und geben werden, und meine, daß man hier wie bei jedem anderen Werk die Ungeduld im Wollen mit der Geduld in der Arbeit verbinden muß. Aber der absolute Beweis, daß die Antwort positiv ist, wird erst geliefert werden, wenn auch die Expansionskraft des Kartells wieder ihre höchste Anspannung zeigt. Es darf bei uns kein Vegetieren geben, kein Weiterrollen aus eigener früher angesammelter Schwerkraft. Stets und in jedem Augenblick muß die Maschine mit neuer eigener Energie weiter arbeiten. Wer von diesem Gesichtspunkte die Frage der Propagandaarbeit ansieht, dem kann nicht der Vorwrurf gemacht werden, daß es ihm auf Zahlenerfolge und Statistik ankommt. Jeder K.J.V.er, der über mehrere Jahre K.J.V.-Arbeit hinwegsehen kann, hat die Erfahrung gemacht, daß die Arbeit für die Propaganda nicht an anderer Arbeit hindert, sondern daß im Gegenteil diese Arbeit die befruchtende Basis für jede andere Arbeit bildet. In den Zeiten ernstester Propaganda- Arbeit und stärkster Propaganda-Erfolge ist auch jede andere Forderung der K.J.V.-Arbeit immer am besten erfüllt worden, hat auch rein menschlich am meisten lebensvoller Schwung, den man heute oft vermißt, die Arbeit gefördert, ist auch die politische und geistige Erziehung, der letzte Sinn der K.J.V.-Arbeit, immer am fruchtbarsten gewesen, ist auch die Frage z. B. nach den Formen, nach der Durchführung des Sports immer am wenigsten akut, weil am selbstverständlichsten durch die Praxis gelöst gewesen. In diesem Sinne ist die Arbeit des jungen Kartells fortzuführen, und in diesem Sinne muß die Arbeit des jungen Kartells auf die ihm gestellte Frage abschließend eine unbezweifelbare positive Antwort geben. Es wäre im tiefsten Sinne tragisch, wenn die Blüte des Kartells in einer Zeit gelegen haben sollte, in welcher der Zionismus Traum einer nie erhofften Wirklichkeit war, und wenn in einer Zeit, in ^er jeder in jedem Augenblick uns dem Erfolg näher bringen kann, das Kartell alt, verbraucht, unlustig, aus einem Vorposten zum Anhängsel werden sollte. Wenn etwas geeignet ist, die Notwendigkeit des Kartells nachzuweisen und seine Stoßkraft zu beleben, so ist es ein Rückblick auf die Geschichte der Absplitterungen vom Kartell. Auch auf dem vorigen Kartelltag hatten wir die Absplitterung einer zahlenmäßig kleinen, geistig uns aber durchaus wertvollen

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