Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 22 (1925)
- Issue
- Heft 3 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Berichte des Präsidiums suspendiert werden mußten (Leipzig!) und daß andere eben so wichtige Positionen kaum existenzfähig sind (Frankfurt und Breslau). Abschließend müssen wir sagen, daß ein gewisser Fortschritt in diesem Semester festzustellen ist, weil das Ueberweisungsressort es durchgesetzt hat, daß grundsätzlich jeder Bundesbruder seinen Verbiridungswechsel bei uns beantragt, daß aber im einzelnen wir noch viel Verständnislosigkeit gegenüber den Erfordernissen des K. J. V. zu beseitigen haben werden. Die Erfolge des Ueberweisungsressorts werden ein eindeutiger Maßstab für die Güte unserer Erziehungsarbeit sein. Siegfried Kanowitz. f) Ressort für körperliche Erziehung. In der verflossenen Arbeitsperiode waren die Bemühungen des Ressorts noch mehr als früher darauf gerichtet, die Aktivitas des Kartells zu dem Geiste der Jugendlichkeit zu bringen, aus dem allein eine Gesundung unseres Formenproblems hervorgehen kann. Demzufolge traten die Veranstaltungen mit dem Programm des reinen Einzelsportes mehr zurück, und die Hauptbetonung wurde auf Spiele und Massensport gelegt. Es liegt im Sinne dieser Arbeit, daß das Ressort auch Wandern und Singen in seine Kompetenz einbezog. Mit Bedauern muß allerdings festgestellt werden, daß die Verbindungen den Forderungen nicht in ausreichendem Maße gerecht geworden sind. Denn selbst in der Annahme, daß die Leibesübungen und das Wandern in dem Wochenprogramm der Verbindungen den verlangten Raum einnahmen und zur Durchführung gelangten, muß man doch bemerken, daß die Aktivitas bei ihren Zusammenkünften den Geist nqch vermissen läßt, der, durch mitreißende Frische gekennzeichnet, die Basis jeder gemeinsamen Tätigkeit und jedes entwicklungsfähigen Lebens bildet. Die tatsächlichen Einzelheiten unserer Arbeit sind durch die Berichte über die gewesenen Camps und die abgehaltenen Sportfeste und Trefffahrten bekannt. Hier sei nur noch einmal auf die Thesen besonders hingewiesen, die Fritz Simon der letzten Erstchargiertentagung durch seinen J. St.-Artikel vorlegte, und in denen die allgemeinen Forderungen an das Kartell und die Verbindungen kurz formuliert sind. Wir wollten mit diesen Thesen den Rahmen geben, in dem eine Erneuerung und eine Verlebendigung unserer verbrauchten studentischen Formen vor sich gehen kann. Wir wissen gut, daß das Leben sich nicht durch Formeln und Gesetze zwingen läßt, deshalb sahen wir auch von Anträgen ab und wollten in der Annahme der Thesen nur den Willen in einer bestimmten Richtung kundgetan wissen. Es ist aus ihnen leicht erkenntlich, wie fern wir jeder Sportfexerei, jeder Erziehung zu Rekordjägerei und Muskeitum sind und wie uns mehr an den gemeinschaftsbildenden Seiten von Spiel und Sport gelegen ist, wobei für den Einzelnen dann die Entwicklung von Selbstvertrauen und Selbstzucht resultiert. Einen vollen Erfolg für unsere Formen versprechen wir uns erst dann, wenn bei allen Verbindungen Wandern, Singen, Spiel und Sport zu indiskutablen Selbstverständlichkeiten geworden sind und das alljährliche Camp in diesem Geiste die gesamte Aktivitas vereinigt findet. Irvin Fisher.