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Der jüdische Student · 1925-05-01 · Heft 3 (Mai 1925) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
22 (1925)
Issue
Heft 3 (Mai 1925)
Date
1925-05-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Zum Karteütag Zum Kartelltag. Von Siegfried Kanowitz, Berlin. Es ist üblich, Kartelltagsreferate und -Aufsätze mit einem historischen Rückblick zu beginnen. Ich will hier darauf verzichten und nur mit ein paar Strichen die Entwicklung der letzten Jahre skizzieren, um den notwendigen Zusammenhang herzustellen. Die Zeit unmittelbar nach der Defusion fand uns in einem Zustand des Darniederliegens unserer Hoffnungen und unserer Kräfte fast auf allen Gebieten unserer Arbeit. Es herrschte ausgesprochen oder unausgesprochen die Parole des Ausruhens, man hoffte, daß nach Überwindung des Chaos wir uns wieder zu uns zurückfinden würden. Aber es zeigte sich, daß es solche Zeiten der Entspannung und der Selbstaufgabe in einem lebendigen Organismus nicht geben kann, und daß von selbst nichts geschieht. Es fanden sich dann neue Menschen, die es unternahmen, das K.J.V. wieder aufzubauen, und die als Motto ihrer Arbeit zunächst die Sammlung aller lebendigen Kräfte setzten. Diese Periode der Sammlung war ausgefüllt durch drei Aufgaben: 1. Der Aufbau eines neuen Präsidiums, 2. der Aufbau unserer wichtigsten Verbindungen und die Herstellung eines engen Zusammenhanges zwischen diesen und der Zentrale, 3. die Schaffung eines kleinen Kreises von Men sehen, die sich für die nächste Zukunft als Träger des K.J.V.-Gedankens und Träger der Arbeit empfanden. Diese drei Aufgaben sind im wesentlichen geglückt; die Periode der Sammlung muß von einer anderen abgelöst werden, einer Periode der bewußten Führung zu bestimmten Zielen. Nun kann es nicht Aufgabe dieses Aufsatzes sein, unsere gesamte K.J.V.-Ideologie wieder aufzurollen. Es ist vielmehr zu zeigen, wo wir vor grundsätzlichen Entscheidungen stehen, wo es gilt, alte Begriffe mit neuem Leben zu erfüllen und neue Begriffe zu finden. In letzter Zeit mehren sich immer mehr die Rufe nach neuen Inhalten, nach neuen Parolen. Gewiß kann man ein K.J.V., einen Kreis geistig orientierter Menschen, nur führen mit Ideen, in deren Wesen es ja liegt, daß sie eine Entwicklung erkennen lassen, neue Fragestellungen und neue Antworten bringen. Aber ,.neue Ideen" sind ja nioht ein absoluter Wert. Es kommt vielmehr darauf an, daß unsere Menschen sichtbar vorwärts kommen. Und wenn man nach neuen Ideen verlangt, muß man sich fragen: Genügen unsere Gedanken und Formen, um ,in ihnen die Menschen zu erziehen, die heute der Zionismus braucht? Immer wieder gilt es, die Resultate unserer Erziehung ,,an der zionistischen Welt zu messen. Wie sieht es heute in der jüdischen und zionistischen Welt aus, vor welche Aufgaben stellt sie uns?

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