Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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158 Aus der Arbeit des Präsidiums nicht missen), so stellte sie doch den gelungenen Versuch dar, die vorhandenen Kartellgnippen zusammenzufassen, und sie wieder einzufügen in den Rahmen unseres Gesamtbundes. Mittags, während der Rast, fand eine sachliche Aussprache statt, bei der Bbr. Foerder insbesondere über die Aufgaben des Kartells in der heutigen zionistischen Situation in Deutschland referierte. Anschliessend an diese Trefffahrt besuchten Bertram Fisher und Herbert Foerder noch Karlsruhe und Freiburg, wo nun ebenfalls sehr eingehende Aussprachen über unsere Tätigkeit stattfanden. In Freiburg fand noch eine recht gelungene Werbeveranstaltung statt, an der zirka hundert jüdische Studenten und Studentinnen teilnahmen, und die wieder einmal Gelegenheit gab (was bei uns all zu sehr in den Hintergrund geraten ist) den Charakter unseres Bundes, seine Ziele und Aufgaben demonstrativ vor breiterer Oeffentlichkeit darzustellen. Es ist einer unserer Hauptgrundsätze, mit völliger Klarheit jieden einzelnen Bundesbruder in die Situation des Kartells hineinzuführen, weil wir glauben, dass so am besten Gelegenheit gegeben ist, das Verantwortungsgefühl jedes einzelnen für den Bund anzuspornen und ihn zu zwingen^ seine Kräfte für das Gelingen unseres Wollens herzugeben. Wir werden deshalb auch nicht Negatives, weniger Erfreuliches in diesem informierenden Bericht verschweigen, wobei allerdings einschränkend gesagt werden darf, dass nach einer sehr langen Zeit von Lethargie und Stagnation selbstverständlicherweise nicht alles mit einem Schlage geändert sein kann. Orte, wo wir bis jetzt noch nicht K.J.V.-Verbindungen geschaffen haben, die unseren Anforderungen entsprechen, sind abgesehen von München mit seinen eigenartigen politischen Verhältnissen, Breslau und Leipzig. In Breslau waren verschiedentlich Präsidial-Mitglieder; trozdem ist es hier noch nicht gelungen, einen wirklich festen, auf die Dauer arbeitsfähigen Kreis zu schaffen, was um so bedauerlicher ist, als einmal Breslau eine Stadt mit wirklich grossen jüdischen Möglichkeiten ist, andererseits es dort anderen zionistischen Gruppen gelungen ist, festen Fuss zu fassen. Auch in Leipzig ist es infolge Menschenmangels bisher leider nicht möglich gewesen, eine wirklich aktive, positive Kartellarbeit durchzuführen. Etwas Erfreulicher scheint Frankfurt zu werden, das man bisher gewöhnlich auch immer in diesem Zusammenhang nennen musste. Dort fand am 1. Juni ein hochoffizieller, vom Präsidium anberaumter Konvent statt, auf dem beschlossen wurde, die Frankfurter K.J.V.-Arbeit wieder aufzunehmen, und auf dem sich etwa fünfzehn Bundesbrüder für eine wirklich intensive Arbeit zur Verfügung stellten. Heute zunächst soviel Tatsächliches. Kurz andeutend berührt werden müssen noch zwei Fragen, die in nächster Zeit für das Kartell von Wichtigkeit sein werden. Das ist einmal die Alt-Herren-Fragc und zum andern das Camp, ein Negatives und ein hoffentlich Positives. Das Präsidium hat sich in seiner letzten Sitzung wiederholt mit der Alt-Herren-Frage beschäftigt und ist sich dahin schlüssig geworden, dass der heutige Zustand völligen Versagens breitester Kreise der