Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1924)
- Date
- 1924-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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B®i?B}gCMiEBiBVH> sb®& ^wsi>igCM®ss v^M^iNisuMSä-KiJ 21. Jahrgang Juni/Juli 1924 Heft 6/7 Bemerkungen zur Lage. Von Richard Lichtheim, Berlin, j I. Politik. In Jerusalem und London ist Beruhigung einge'reten. Die Araber sind ernüchtert, weil ihre Abgesandten in England während der letzten drei Jahre praktisch fast nichts erreicht haben, und weil die Verwaltung in Palästina jetzt hin und wieder eine etwas festere Hand zeigt. Die englischen Antizionisien, deren Zahl gering ist, haben erfahren, dass das grosse Publikum in England durch ihre während der Wahlzeit mit Heftigkeit vorgetragenen Argumente nicht dauernd in Atem gehalten werden kann. Der Durchschnittsengländer — auch derjenige, der für Juden und Zionismus wenig Sympathie besitzt — lässt sich nicht einreden, dass die jährliche Belastung von einer Million Pfund für militärische Ausgaben in Palästina das Weltreich ruiniere, und die „gerechte Sache" der 600 000 Araber im fernen „Palestine" regt ihn nicht besonders auf. Drei Regierungen, die zugleich die drei grossen Parteien repräsentieren, haben nacheinander erklärt, dass an der Mandatpolitik nichts geändert werden könne. Damit hat der „Mann in der Strasse" sich abgefunden. Herbert Samuel — der ein guter prozionistischer Jude, nur leider von der ängstlichen Sorte ist— hat ein wenig mehr Courage bekommen. Die Hauptgegner des Zionismus in der Palästinaverwaltung sind gegangen oder halten sich, wenigstens vorläufig, zurück. Die Juden haben genügend Spielraum, um ihre Position in Palästina auszudehnen und zu festigen. So wie die Dinge heute liegen, kann man sagen, dass von der wirtschaftlichen Leistung der Zionisten auch ihre politische Geltung in Palästina abhängt. Gelingt es uns, in den nächsten Jahren weitere hunderttausend Juden nach Palästina zu bringen und sesshaft zu machen, so sind wir das dominierende Element und können auch wieder politische Forderungen an England stellen. Voraussetzung unserer Arbeit für die nächste Zukunft ist natürlich, dass das englische Imperium erhalten bleibt. Viele Argumente sprechen dafür, wenige dagegen. 3