Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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S8 Aus dem Referat von Herbert Foerder allmählich führen, zur Persönlichkeit heranreifen lässt. Wir brauchen das K.J.V., diesen organisierten Verband mit bestimmtem politischen Gestaltungswillen, um unsere als ricltfig erkannte Idee durchzusetzen in immer grössere Kreise, um kraft unserer Organisation nicht nebeneinander, sondern füreinander mit gesteigerten Kräften arbeitend unserem Schaffen die Stosskraft zu geben, die nur eine Gruppe sich für ein gemeinsames Ziel einsetzender Menschen haben kann. Das Letzte wesentlichste jeder Beziehung entzieht sich rationeller Analyse. Wir fühlen aber, dass jene merkwürdige Mischung zwischen politischen Kampi'bund und sich gegenseitig stützendem und zensierendem Freundeskreis, dass unser K-J.V. ein tatsächlich Vorhandenes, eine Wirklichkeit isi. Wir wissen, dass es manigfacher Kritik und unserem persönlichen Versagen zum Trotz seine Rechtfertigung hat. Wir empfinden uns als stark angesichts unseres richtigen Weges, als stark, aber nicht ohne Verständnis gegenüber den Erfordernissen des grösseren Kreises, in dem wir stehen, der national-jüdischen Jugend. Wir bedauern die starke sich hier bemerkbar machende Zersplitterung und stehen einem Sammlungsgedanken sympatisch gegenüber. Gruppen, mit unserer Ideologie, die unser Gedankensysiem akzeptieren, steht einer Vereinigung nichts im Wege. Andererseits zwang uns unser unerschütterlicher Glaube an die Richtigkeit unseres Zieles, Stellung zu nehmen zu Entwicklungen, die wir im Interesse des Ganzen nicht billigen zu können glaubten. Aber niemals, selbst nicht in der schärfsten Debatte, haben wir eine Kritik geübt, die nicht von wirklicher tieler Sorgediktiert war für die gemeinsame Sache. So konnten wir nicht den Weg einer Gruppe gutheissen, deren ganze Erziehungsart uns nicht die Gewähr gab, Menschen mit freier selbslgetroifener zionistischer Erkenntnis, mit selbständiger Entscheidung, heranzuziehen. Es gibt und gab Menschen bei uns, die wesentliche Unterschiede der Erziehungsmethoden im K.J.V. und im Blau-Weiss — was übrig bleibt, wenn man von Persönlichem und reiner Polemik absieht — nicht sehen, und doch gab es genug davon. Prunn vereinigte zwei Negativen in sich. Einmal bedeutete es den Verzicht, die absolut freie Verantwortung des Einzelnen durch die Erziehung zu erreichen. Ganz anders wie im K.j.V. sollte eine Persönlichkeit oder einige wenige, die infolge ihrer eigenartigen Stellung qualitativ anders, von wesensartiger Verschiedenheit erschienen, andere Entschlüsse und Entscheidungen treffen. Man unterliess es bewusst, den Einzelnen in die Schwierigkeiten und Problematik unseres Seins in unsere zionistische Situation hineinzuführen, um ihn aus eigener Kraft seinen Weg finden zu lassen. Nicht mehr aus einer Differenziertheit heraus sollte der allein wichtigste Entschluss geboren werden, sondern fern von der* unendlichen Problematik unseres jüdischen Daseins wollte man Menschen im Gehäuse des Bundes ihren Weg führen. Statt in ihnen vorhandene Kräfte zu wecken, zu stärken, reichte man ihnen eine Stütze, die die Menschen zunächst vorwärts brachte, aber in