Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 21 (1924)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3537599-3537784-3537787--6042-3544172- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
S6 Aus dem Referat von Herbert Foerder Hnweises, dass diese Zusammenkünfte immer Anlass und Gelegenheit waren, uns mit den inneren Fragen des Kartellebens zu befassen, sehe Ideologie weiter zu bilden und der jeweiligen zionistischen Silustion anzupassen. Andere Tagungen werden durch aktuelle Geschehnise notwendig, durch eine bestimmte Stimmung gefordert. Hier ist dm Spannungs- und Erwartungsgefühl, mit der man einer derartigen Ztsammenkunft entgegensieht, grösser. Derartige Tagungen können gelingsi, aber auch missligen, gut oder schlecht tritt hier unmittelbar hervor. Diese Tagung, die wir gerade beginnen, ist von der 2. Art. Das te&te Jahr war ein mageres Jahr für das Kartell, und man darf ohne Übertreibung sagen, dass sich unser Bund hart am Rande des Abgninds befunden hat. Das Kartellgeiühl war gelockert, es machte sich ehe weitgehende Ricfriungslosigkeit überhaupt noch vorhandener Kräfte bemerkbar. In einer solchen Amiosphäre ist ein gedeihliches Ar-. bäten unmöglich, und so ist es verständlich, dass die Gruppen, die tasachlich noch in lebendiger Frische im Kartell vorhanden sind, sich nadi dem langen Zeiträume von Ungewissheit und Lethargie nach einer Laöensäusserung ihres Bundes sehnten. Zu mindesten aber wollte mm klarer sehen, wollte wissen, ob das Kartell noch lebenswert und dk in seinem Rahmen geleistete Arbeit zweckvoll sei. Nach über einem Jäir, solange liegen die letzten Kartelltage zurück, ist eine Zusammenlauft notwendig. Dazu forderte unsere zionistische Position eine Art Etoonstranonsakt. Die Arbeit des Kartells spielt sich vor den Augen dar zionistischen Öffentlichkeit ab. Anders wie bei einem einzelnen /feschen gibt es bei einem Bunde kein „Zurückziehen", sondern ihn charakterisiert gerade, dass die Vielheit seiner Renschen eine kontimierliche Arbeit ermöglichen muss. Doch dies ist nur eine Auswirkung, eine Folge unserer Tagung. Uns in umfassender Weise über dk Gestaltung unserer künftigen Arbeit auszusprechen, ist der Hauptzweck unseres heutigen Zusammenseins. Zunächst ist festzustellen, dass das Kartell Objekt dauernder Kritik war. Es gibt Organisationen, die Kraft schlechthin bejahen und üier die Richtung, die die Kraft nimmt, sich als etwas Subsidiäres hinwegsetzen. Im Kartell war es stets Grundsatz, das nur das, was nach gründlicher Ueberprüfung und Kritik standhält, wirklich alslebsis- und fortbildungswert anerkannt wird. Eine verantwortliche Eihrung darf deshalb in unsicheren Zeilen wie heule nicht blind hmdeln, sondern muss vielmehr die Grundfrage unseres Seins stellen. jMer einzelne unserer Menschen muss die Begründung und Notwendigkeit der Idee des Kartells erkennen und muss sie verteidi-. gai gegen Angriffe, die von uns selbst ausgehen und gegen sdche von anderen Dritten, muss vernunftmässig die Notwendigst unseres Bundes beweisen können und an die Richtigkeit seiner I&e glauben. Nur dann werden wir erreichen, dass die Weiterarbst gewährleistet is% selbst wenn eine Gruppe infolge ihrer augenblicklichen Konstellation nicht arbeitsfähig ist. Der Gedanke des Karteis darf nicht erschüttert werden, wenn einzelne seiner Menschen senen Anforderungen sich nicht gewachsen zeigen. Wie überhaupt