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Der jüdische Student · 1924-04-01 · Heft 4-5 (April 1924) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
21 (1924)
Issue
Heft 4-5 (April 1924)
Date
1924-04-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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74 Zur Reichstagswahf leicht missverstanden zu einer Lockerung unserer rechtlichen Position führen könnte, mit anderen Worten in irgend einer missverständlichen Weise als Selbstentrechtung, die uns naturgemäss völlig fernliegen rauss, angesehen werden könnte Weiter darf dieser Standpunkt im heutigen Moment auch deshalb nicht in Frage kommen, weil die Situation es von jedem Juden erfodert, dass er sein Wahlrecht ausübt, auch von jedem Z i o n i s t e n. Man wird bei der Beurteilung der deutschpolitischen Konstellation nicht übersehen dürfen, dass zum ersten Male Parteien sich am Wahlkampf beteiligen — und, wie wir wissen, werden sie es nicht ohne erheblichen Erfolg tun — die die gewalisame Bekämpfung der Juden, mit anderen Worten den Pogrom zu ihrem Programmpunkt erhoben haben. In diesem Moment ist es unbedingt erforderlich, dass tatsächlich alle verfügbaren Stimmen aufgewandt werden, um diesen Plänen entgegenzutreten, und wir nicht aus allzu differenzierten, letzten Endes die politische Realität verkennenden Ueberlegungen heraus dazu gelangen, tatsächlich einen Gegner zu stärken und unsere Position zu schwächen. Muss es also zunächst unbedingt festsiehen, dass jeder, * der tatsächlich über ein Stimmrecht verfügt, auch von diesem Gebrauch mach-.:, so wird man bei der Frage nach einer bestimmten Wahlparole zunächst negativ bestimmen können, welche Gruppen selbstverständlicher Weise auszuschalten haben. Nicht gewählt werden dürfen natürlicherweise alle rechtsstehenden reaktionären Parteien, die entweder offiziell den Antisemitismus propagieren oder auch nur stillschweigend mi: ihm liebäugeln-. Man wird, derartige Gedankengänge in zionistischen Kreisen zu vertreten, vielleicht für überflüssig halten, aber v/ir sollten uns bemühen, wo Gelegenheit gegeben ist, unseren Einfluss und unsere erzieherische Beeinflussung auf die deutschen Juden dahin geltend zu machen, dass auch von nichtzionistischen Juden derartige Gegner des Judentums nicht unterstützt werden. Dass aber Juden tatsächlich dies noch tun, ist eine Tatsache, die, wenn auch noch so unerhört^ doch nich.: bestritten werden kann. Es braucht nur erinnert zu werden an die Aufforderung der bayerischen vaterländischen Verbände an die „Herren Israeliten", sich von der Mitarbeit zurückzuziehen, oder an die Bestrebungen der Naumanngruppe, die es fertig brachte, sich mit dem antisemitischen Hernn Anker anzubidern. Ebenso wird man keinesfalls Gruppen unterstützen dürfen, die ihrer Natur nach dazu neigen, mit rechtsstehenden Parteien, auch soweit diese antisemitisch sind, Bündnisse irgendwelcher Art, sei es zur Wahl selbst, sei es bei der später zu erfolgenden Regierungsbildung, einzugehen. Diese unsere Stellungnahme zu derartigen Parteien kann auch dadurch nicht geändert werden, dass einige ihrer Mitglieder unseren Gedankengängen verständnisvoller gegenüberstehen. Ebenso kommen für uns und unsere Stimmenabgabe nicht linksnadikale Par.eien in Frage, die uns ideologisch zu fern stehen und für unsere Bestrebungen, für die Gedankenwelt einer nationalen, wenn auch antiimperialistisch gerichteten Bewegung kein Verständniss ha-

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