Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 20 (1923)
- Issue
- Heft 5 (November 1923)
- Date
- 1923-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachruf: Otto Markau. 141 gegeben und alle diese Aenderungen halfen dazu, den Gottesdienst für die „Aufgeklärten44 ansprechender zu .gestalten,*) All diese Neuerungen wurden ohne rabbinische Hilfe durchgeführt. Es waren großenteils -jüdische Lehrer, welche die neuen Tempel einrichteten, wie durch sie die Reform überhaupt sehr gefördert worden ist.**) ' . ' *) Der erste „Tempel" wurde ganz zu Beginn des vorigen Jahrhunderts von Israel Jacobson in Seesen errichtet der als Leiter des vom König Jerome in Westfalen eingerichteten Konsistoriums eifrig für den „religiösen Fortschritt seiner Glaubensgemeinschaft'* wirkte, Gottesdienst, Konfirmation, Trauung „in würdiger Weise und mit teilweiser Anwendung der deutschen Sprache" ordnete. Jacobson richtete auch mit David Friedländer einen Reformtempel in Berlin ein, wo „deutsche Gebete und Gesänge erklangen" und eine Orgel angebracht wurde. Gebete und Gesänge waren zum größten Teil von Christen verfaßt und die ganze Einrichtung erschien „als Nachahmung des christlichen Vorbildes, dem man um so lieber treu blieb, als man diesen angeblichen Gottesdienst zu einem Schaugepräge umgestaltete, zu dem man christliche Freunde und Staatsmänner einlud". (So lautet das Urteil eines Anhängers der Reform, des Historikers M. Phlippsohn.) 9) „Eine-Anzahl tüchtiger, z. T. ausnehmend befähigter jüdischer Lehrer bildete sich heran und übernahm die geistige Leitung der modern gebildeten Juden zu einer Zeit, wo das Rabbinat, in tatsächlich veralteten Anschauungen befangen, gänzlich zu versagen drohte". (Philippsohn L 161) Ein Lehrer, Josef Wolf — Dessau, hat 1805 die ersten deutschen Predigten gehalten, die Konfirmation eingeführt und eine moderne Synagogenordmmg entworfen. - (Fortsetzung folgt.) . - Otto Markau Ein Nachruf von Sally Hey mann (Bonn). Einige Wochen nach bestandenem Referendarexamen starb unsei Freund, nachdem er in Wildungen vergeblich Heilung "gesucht hatte. Schmerzlich empfinden wir die Tragik'des Schicksals, das ihn uns in dem Augenblick entriß, den er sich mit dem Gedanken trug, seine freigewordenen Kräfte dem Kartell und dem Zionismus zur Verfügung zu stellen. Bescheidenheit, die ihn den eigenen Wert und das eigene Können unterschätzen ließ, hinderten Markau nach atißen hervorzutreten, und «o blieb er dem Gesamt-Kartell ziemlich unbekannt. Um so. segensreicher und unschätzbarer wirkte sich seine Persönlichkeit im engen Kreise aus. In guten und bösen Stunden blieb er der Verbindung treu und oft wußte er durch sein kluges, gütiges Wesen bestehende Gegensätze zu mildern und das Sernester harmonisch zu gestalten. Selbst voll und ganz von der zionistischen Idee erfaßt, bemühte er sich, nach Kräften ihr zu dienen. Die Bereitwilligkeit jede Arbeit zu übernehmen und die unbedingte Zuverlässigkeit in der Ausführung machten ihn zu einem stärksten Träger des Verbindungskbens. Obwohl seit Jahren schwere Krankheit an seinen Kräften zehrte, suchte er das eigene Leid möglichst zu verbergen und war nach außen hin stets heiter und zuversichtlich gestimmt. Durch seine Hilfsbereitschaft und sein offenes gutes Herz gewann er schnell unser aller Liebe und Vertrauen, und sein lod bedeutet für jeden Bundesbruder einen persönlichen Verlust. Nur das Bewußtsein, wenigstens einige Jahre das Glück der Freundschaft und Verbundenheit mit ihm empfunden zu haben, wird unseren Schmerz zu lindern vermögen. Sein Andenken wird allen, die ihn kannten, unvergeßlich sein.