Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1923-11-01 · Heft 5 (November 1923) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
20 (1923)
Issue
Heft 5 (November 1923)
Date
1923-11-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3537778-3537783--5931-3544059
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Semester-Bericht des-Präsidiums. 127 sein kann. Die bisherige Entwicklung des Zionismus in Deutschland 'hat gezeigt daß die Erziehung im Sinne des alten KJV, nur durch das KJvV zu leisten ist und daß nur diese Erziehung die Fortführung der zionistischen Arbeit in Deutschland gewährleistet. Wenn daher die Verhältnisse quantitativ die Möglichkeiten beschneiden, so ist es auf alle Fälle besser, zahlenmäßig geringe Resultate zu erzielen, als auf Resultate überhaupt zu verzichten. Viele Bundesbrüder sind auch der Ansicht, daß selbst wenn ein Nachwuchs überhaupt nicht mehr zu erziehen wäre, schon allein die Zusammenfassung der vorhandenen KJVer notwendig wäre aus Gründen, die hier nicht näher erörtert zu werden brauchen.. Gerade im Zusammenhang mit dieser Frage des Nachwuchses wurde immer wieder von einigen Bundesbrüdern unsere Stellung zum Blau-Weiß neu zur Diskussion gestellt. Wir waren der Ansicht daß dem Blau-Weiß gegenüber eine vollständige Abstinenz bewahrt werden sollte, daß man sich um den Blau-Weiß überhaupt nicht, sondern nur um das KJV. kümmern solle, um es einer späteren Entwicklung zu überlassen, wie die jüngere Generation des Kartells sich neu mit dem Blau-Weiß auseinandersetzt, da ja schließlich im Hinblick auf die höheren zionistischen Ziele unbedingt .später einmal eine Zeit kommen muß. in welcher der jetzige anormale Zustand aufhören und eine Zissarrnnenarbeit in irgend einer Form ermöglicht werden wird. Wir hatten es auf Grund diesen Ansichten arn liebsten gesehen, wenn die theoretischen Diskussionen über die Blau-Weiß-Fragen bis auf weiteres unterbleiben wären. Dies war leider nicht zu erreichen, wobei auch zugegeben werden muß. daß auf die Dauer gewisse Dinge zu einer Beschäftigung mit dieser Frage zwangen, wenn man nicht eine bedenkliche innere Unehrlichkeit im Kartell zulassen wollte. Wir haben daher, wie in folgendem näher ausgeführt wird, zu diesen Dingen Stellung genommen. Wir sind hierbei zu der Ansicht gekommen, daß unter den heutigen'Verhältnissen aus höheren zionistischen Gesichtspunkten die ausgesprochen feindselige Haltung,des letzten Kartelltages nicht aufrecht erhalten werden darf, sondern eine objektive Neutraniät Platz greifen muß. Allerdings dürfte eine freundschaftliche Annäherung noch nicht in Frage kommen, aus Gründen, die ebenso im KJV. wie im Blau-Weiß liegen. Die palästinischen Aktionen des Blau-Weiß mögen von KJVerh, wie es bereits geschieht, offiziell unterstützt werden, soweit sie einer entsprechenden Kontrolle der zionistischen Oei'fentlichkeit unterliegen. Eine offizielle Beteiligung an den andern Wirtschaftsunternehmungen, insbesondere am Wirtschaftsamt, kommt nicht in Betracht, doch muß es schließlich dem einzelnen überlassen bleiben, wenn er auch für spezielle Biau-Weiß-Fonds Beiträge zahlen will. Die bisherigen. Versuche haben gezeigt, daß es nicht möglich ist,-vom KJV. aus Jugendabteilungen zu-gründen. Dies Hegt nicht an prinzipiellen Gründen, sondern an den augenblicklichen Verhältnissen," am Menschenmangel usw., wie ja bisher auch alle Versuche des Blau-Weiß mißlungen sind, Korporationen einzurichten. Die Gebiete sind also sozusagen gegenseitig abgegrenzt. Wenn unsere bisherigen Jugendabteilungen auf andere Weise "dem zionistischen LerTen nicht zu erhalten sind, wollen wir sie in voller Erkenntnis dieser Sachlage und ohne Beschönigung an andere Organisationen, eventuell an dem Blau-Weiß abgeben. Bei all diesem kommt es weder auf Prestigefragen an. noch darauf, ob der Blau-Weiß vernünftig jwd ehrlich genug ist. seinerseits entsprechende Erkenntnisse zv. haben 'Hier zu äußern. -. # 'Wir stehen durchaus auf dem Standpunkt, daß die Kartelitagsbeschlüsse seiner Zeit berechtigt waren, man wird aber auch verstehen müssen, daß heute angebracht ist, diese Haltung für die Zukunft zu revidieren. Wir geben zu, daß unsere jetzige Haltung den letzten Kar teil tagshc Schlüssen widerspricht und daß wir. streng genommen, einen Kartelltag einberufen ^•üSten. Wir glaubten, von dieser Form unter den heutigen Verhältnissen -hsehen zu müssen, zumal wir das Gefühl haben, daß wir nur das aussprechen, was der Entwicklung des Karteils entspricht. Wir würden jedoch hinein Wunsche der Kartellorganisaiioneu auf Einberufung des Karteiltages

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.