Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 20 (1923)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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!Ö7 Wir rden dL politische Haltung de/ von u:.s bJ.:. ::d'.:lica zionistischen Einstellung noch besser verstellen können, wenn wir auch das positive Moment hinzuziehen, durch das die Ueberwindung des Antisemitismus gewährleistet sein soll. Zu den Ausführungen Krojankers und Löweusteins tritt hier noch eine Nummer der Mitteilung der B.Z.V., die in einem Artikel von Erich Cohn und in einem Aufruf des Ke r e n H a j e s s o d die Gedankengange noch schärfer herausarbeiten, die je-.zt zu erwähnen sind. Die Ueburwindung des Antisemitismus soll nämlich nach dieser -zionistischen Auffassung aliein durch die jüdische Leistung des Auibaus Palästinas erreicht werden. Zwei Motive durchdringen sich in dieser Doktrin. Einmal wird der Aufbau Palästinas durch die Aufnahme de: nicht mehr in den (ialuthländern zu sichernden jüdischen Volksteile dem Antisemitismus sein Objekt entziehen, und andererseits wird er die in der Galuth Zurückbleibenden durch die große jüdische Leistung vor der Welt legitimieren. Gustav Krojanker, der mit vollem Recht die Versuche des Zentralvereins, den Juden bald als Kapitalisten und bald als Sozialisten der Umwelt zu präsentieren, wegen ihrer Haltlosigkeit und Unfruchtbarkeit verurteilt, hält es schon gar nicht mehr für notwendig, sich mit der alten Theorie des Zentralvereins auseinanderzusetzen, die die heutigen Juden als Nachkommen des Volkes der Bibel gegen Angriffe immun zu machen hofft. In der Tat, dem heutigen Durchschnittsgegner der Juden liegt die Bibel kulturell fern, und andererseits ist für den Gebildeten das Volk der Bibel von den heutigen Juden durch eine so ungeheure Zeitspanne getrennt, daß das Argument des Zentralvereins keinerlei Bedeutung beanspruchen kann. Aber kann es den Argumenten dieser Zionisten besser gehen? Liegt dem Durchschnittsgegner der Juden Palästina geographisch nicht genau so fern, wie ihm die Zeiten der Bibel historisch fern liegen? Oder soll der Gebildete eine andere Einstellung zu jüdischen Zuständen hier bekommen, die in krassem Widerspruch zu all dem stehen werden, was das neue Palästina auszeichnet? Dabei ist zunächst, abgesehen von der Tatsache, daß der jüdische Aufbau Palästinas erst im Werden ist und sich seine Anerkennung erst noch erringen muß, während die Weltgeltung der B'bel als ein bekannter und mächtiger Faktor bereits eingesetzt werden kann. Aus all dem geht hervor, daß die bekannte zionistische Theorie des Antisemitismus, da sie sich in ihren einzelnen Bestandteilen nicht als falsch herausgestellt hat, doch im ganzen unzureichend sein muß. um den gesamten -Fragenkomplex zu umspannen. In der Tat erweist sie sich bei näherem Zusehen als nicht zu Ende gedacht. Denn wenn es auch richtig ist. daß die antisemitische Bewegung als solche nur ein Symptom darstellt, dessen Erscheinungsformen nicht mit den tieterliegenden realen Gegensätzen verwechselt und vermengt werden dürfen, die infolge der anormalen Lage des jüdischen Volkes dessen Beziehungen zur nichtjüdischen Umwelt darstellen, so ergibt sich doch hieraus keineswegs, daß hiermit die geringe und sc-kundäie Bedeutung des Antisemitismus für eine nationaljüdische Politik nachgewiesen sei. Im Gegenteil, wenn der Antisemitismus als eine Teilerscheinung des Daseinskampfes des jüdischen Volkes erkannt ist. so braucht zu dieser Einsicht nur die weitere zu treten, daß es keinen geschichtlichen Augenblick geben kann, in dem das Daseinsrecht eines Volkes nicht gegenüber den Interessen und Ansprüchen anderer Völker in freunuschanreher oder feindlicher, in verhandelnder oder kämpfender Form vortreten werden muß. um zu dem Schlüsse zu gelangen, daß die zionistische Organisation, wenn sie mit Recht die Vertreterin nationaljüdischer Politik sein will, Puch in der Frage des Antisemitismus an führender Steile das jüdische Volk vertreten muß. Zu diesem Punkt pflegen Gegner der hier dargelegten Ansichten gewöhnlich einzuwerfen, daß die zionistische Organisation viel zu schwach an Zahl und Einfluß sei, als daß sich etwa das deutsche Judentum durch die Zionisten vertreten lassen würde. Es kommt in der Politik, so erwidern wir, nicht immer auf die Zahl an. sondern auf die Art und den Charakter einer Politik, die von einer gewissen Gruppe vertreten wird. So