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Der jüdische Student · 1923-07-01 · Heft 4 (Juli 1923) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
20 (1923)
Issue
Heft 4 (Juli 1923)
Date
1923-07-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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1^4 Amerikanisches Judentum schwere e F^-uen ihre Stellungen in jüdischen- Mausern niederlegten, nachdem se den „Glauben" ihrer Brotgeber erfuhren bzw. aus - ihren' antijüdischen .Instinkten*4 keinen Hehl machten. JEhigc Worte dem Antisemitismus an den Universitäten und der Rolle, die die jüdischen Studenten an den Universitäten spielen. „Gfoizieli" besteht kein Antisemitismus, d. h. er wird nicht weiter viel diskutiert, da sich die jüdischen Studenten, und die „gentiles" so ziemlich ganz ras dein Wege sehen. (Nur manchmal, wie bei der Diskussion ä<*r Pruzeiriixm an der Harvard Universität, macht man keinen Hehl au* seinen Gefühlen.) Aber in die zahlreichen „fraternities'5 (Klubs, gesellige örgankaiinnen) hineinzugelangen, ist für einen jüdischen Studenten so gut wie uintcglich, auch für den „German J-ew". Die Folge davon ist, daß die jüdischen Studenten sich ihre eigenen .„fraternities44 bilden, die aber so gut wie ausschließlich „social activities", d. h. gesellige Veranstaltungen pilegen und gewöhnlich keine ideellen oder wissenschaftlichen Ziele haben. Die jüdische Studentenschaft zerfällt deutlich in zwei Gruppen: Söhne reicher und Siline armer Eltern. Die ersten führen zum Teil in den genannten Fraternities das übliche heitere studentische Leben bis zur .Examenszeit, ohne ibermäßigen sonstigen Ehrgeiz und besondere Interessen (außer evtl. sponliiiien). Der Einzelne mag sich für diese oder jene geistige Bewegung oder Idee interessieren, jedoch zur Bildung von Gruppen oder Korporationen hat dies noch nicht geführt (ich spreche hier Von der University of Pennsylvania in Philadelphia, die 14 000 Studenten hat, darum-er etwa 3000 jüdische). Die einzige Gruppe an der Philadelphia-Universität ist die „iöenorah", die trotz ihres Namens nicht zionistisch ist und der nur einige wenige Dutzend Mitglieder angehören, die sich ab und zu zu einem „•Meeting" treffen, das zusammen zu bekommen dem Vorsitzenden schon Schwierigkeiten macht. Von Korporationsbewußtsein oder Zusammengehörigkeitsgefühl auch nur lockerer Art kann keine Rede sein. Die einzige Veranstaltung der Menorah, der beizuwohnen ich Gelegenheit hatte, war ein Vortrag eines christlichen Professors über „manners and habits", der mn dem Judentum wahrlich nicht den geringsten Zusammenhang hatte. 'Daun inigte ein ebenso resignierter wie fruchtloser Appell des ..Presidenten44 dir .Menorah, ihr doch beizutreten und — man ging auseinander. Also eine wenig erbauliche Situation! Zur teilweisen Erklärung diene folgendes: Die unvermögenden Studenten (aus denen sich die Menorah zum großen Teil zusammensetzt), gehen so gut wie alle einem Beruf nach, der ihre Zür, abgesehen vom Studium, vollkommen ausfüllt. Es handelt sich meistern um Söhne armer, vor zehn oder zwanzig Jahren eingewanderter Juden. i5e in beschränkten Verhältnissen leben und sich Studium und Unterhalt in illen möglichen Nebenberufen ganz oder zum Teil verdienen müssen, z. B. äs Buchhalter, als hebräische Lehrer, als Makler, als Geschirraulwaschet usw. Diese Jungens, die sich hart durchkämpfen müssen und in ihrem Bildungsgrad nicht ganz mit dem Durchschnitt eines jüdischen Studenten an einer .dun sehen Universität zu messen sind, haben für Dinge, die außerhalb ihres Studiums liegen, naturgemäß nicht allzu viel, übrig. Es soll hier nicht verallg-m^i.'iert werden, es gibt natürlich auch andere Fälle, ich versuche hier nrv den Typ zu schildern, wie ich ihn in einer Anzahl von Fällen an der Universität selbst beobachtet habe und wie es mir auch von sachverständigen Freunden dargestellt wurde. All^./iieiüer Bildungsstand: jüdische Entwicklung ist — von einer prozemual geringen Gruppe von Europaverbindungen abgesehen — liier \vu e«üche iahfzurück, verglichen mit drüben. Wecln Folgernngen sich in der zionistischen Situation ergeben, insbesondere bei den Studenten und der sonstigen Jugend, soll einer späteren Darsielang vorbehalten bleiben.

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