Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 20 (1923)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1923)
- Date
- 1923-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3537599-3537778-3537782--5896-3544023- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
... - t '■ ' i „— -J3 -fr-O^y & o T7> «TTTY^ H/T AT7T~\7 '5 T~T~ X W JLri^. V:l____*^ JLJ- — ElSK^SOlinH^ilL^ SiÄBI^ISl/IEfS ^W^äSCFOIISlS v^ISlBiMOlJM'caBlJ 53113ECAUß Gr 13 $SE BS EM vops s?i?^siE^i^j^s s>ijj§ K.irv7: £m i3Boi>iMi 20. Jahr. Juli 1923 Heft 4 Brief aus Heidelberg. Heldelberg, 11. Juli 1923. Liebe Bundesbrüder! Da es mir leider nicht möglich ist, ins KJV.er Camp zu kommen, wo über die augenblickliche Lage des Kartells und. über seine Zukunft gesprochen werden soll, möchte ich auf diesem Wege meine Meinung •äußern. Ich glaube, daß es Dinge gibt, die auf keinen Fall verschwieg eh werden dürfen, gleichwohl, ob sie zur Erhöhung oder Minderung der Arbeitskraft beitragen. Es genügt ihr innerer Anspruch auf Wahrheit. Und so werden auch, hoffe ich, diese Zeilen nicht als unfruchtbar empfunden werden. Sie sollen auf die Notwendigkeil des Neuen hindeuten, man wird sie nicht gut als negative Kritik abtun können. öas Kriterium für eine zionistische Jugendbewegung im jetzigen Augenblick ist ihre tätige, produktive Beteiligung an Palästina. An diesem Kriterium gemessen, ist die Situation des Kartells denkbar schlecht. Zunächst ist rein zahlenmäßig ein erschreckender Rückgang zu konstatieren. Sich häufende Austritte und Mangel an neuen Menschen waren hierfür Ursache. Und weiter sind die eben veröffentlichten Keileriolge äußerst symptomatisch. Denn es ist kein Zufall, daß wir so wenige Menschen bekommen haben. Es liegt nicht nur daran, daß infolge der schlechten wirtschaftlichen Lage jetzt weniger Material da ist. Vor allem ist an diesem Umstand schuld, daß wir nichts haben, womit wir Außenstehende zu uns hineinziehen, erfassen und entreißen, daß'unser Leben .leer ist, daß uns die Mitte fehlt. Es war vielen, — auch hier in Heidelberg ging es einigen so, — einfach unmöglich, andere wertvolle Menschen, besonders auch solche, die dem Judentun; etwas näher standen, von der Uiiie und Notwendigkeit des Kartells zu überzeugen, weil sie selbst nicht mehr diese Ueberzeugung haben. Der Glaube vieler an das Kartell. — und das ist das erste, was ausgesprochen werden muß — ist fast auf den Nullpunkt gesunken; nur das Gefühl, daß man gerade jetzt die Pflicht hat, lest zu stehen und neue Wege zu suchen, wirkt noch verpflichtend. An der Inhaltslosigkeit unseres Lebens ist nicht zu zweifeln. N:ehts Charakteristisches haben wir mehr: non muliuni. sed muüa. Von a'lem ist etwas vorhanden. Ein wenig neigt man zu dem Frankfurter Kreis — und mit Recht, denn er hat doch zurnindesten ein klares Ziel, das dem Kartei! fehit — ein anderer Teil setzt sich für einen rein politischen Zionismus ein.