Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 20 (1923)
- Issue
- Heft 2 (März 1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefwechsel gen sind. — 1. Die tatsächliche Schilderung, die Ihr vom Kartell gebt, ist -enau so 'einseitig pessimistisch, wie die gegenteilige optimistische Darstcl- JunfC einseitig war. Eure Darlegungen lassen sich aus zahlreichen iSerich- -ien, wie aus eigenen Wahrnehmungen widerlegen. Sie sind auch in einzelnen widerspruchsvoll, so wenn Ihr einerseits von den schlechten »KeÜerfolgen, andererseits von der großen Zahl sprecht, durch die man sich habe täuschen lassen Die Behauptung, daß die Zahl aufhauender und rührende Kräfte im Verhältnis zur Gesamtzahl gering ist, besagt nichts, da dies eine allgemein menschliche Erscheinung ist, und zweifellos nicht nur für alle Organisationenurxl Parteien, sondern auch für alle Völker zuiriik. Die Zahl war aber sicher bei uns verhältnismäßig groß; denn Ihr überseht, daß es auch in vielen Verbindungen solche Kräfte gibt, die im Heranwachsen sind und die nur im Augenblick noch nicht alt genug sind, um. in Euern Cesichtskreis getreten zu sein. Schließlich aber überseht Ihr, daß auch Kräfte -wie die Rurigen durch das Karteil ausgelöst sind und daß gerade dieses Argument gegen Euch spricht. Ihr vergeßt aber, daß Kräfte, die in den Führerkreis hineinwachsen, ein bestimmtes Aller erreicht haben müssen, d. h. daß es sich hierbei immer nur um .Menschen handeln kann, die seit 4 und 5 Jahren bei uns gewesen O-J urd Ihr verc.sTt in d:c<e-n Zusammenhang immer, da!) wir im Kriege über 150 IV.mj\shriivier \ erloren haben, von denen die Hälite /. .velfellos zu dem heutigen Eührerkreis gehört hätte. Mir diesem Ergehms hätte ein Kartell sdmn zufrieden sein können. Es ist nicht Schuld des Kartells, daß dieses Ergebnis nich: ausgewertet werden kann. Die Erziehung der neuen Generation im Kriege hat aber größtenteils versagt unter dem Einfluß von Richtungen und .Menschen, die bei aller Verschiedenheit mit Euch jedenfalls das gemeinsam hatten, daß ihnen die Erkenntnis von den Notwendigkeiten des Kartells abging. .Angesichts dieser Tatsache müssen wir die Geduld verlangen, die ein jahrelanges Heranbilden neuer Kräfte von uns wie von dem Kreise der Zuschauer fordert. Wir erhoffen hierfür um so mehr Verständnis, als Ihr selbst von kleinen Anfängen aufbauend auf ..ahre hinaus nur an die Geduld werdet appellieren können, wenn man Euch nach Euren Erfolgen tragt. Richtig ist, daß ein Teil der Eusionsanhänger die Fusion aus dem Gefühl heraus erstrebte, daß wir nicht weiterkämen, also aus einem Gefühl der Schwäche. Falsch aber ist. wenn Ihr dieses Gefühl als typisch hinstellt. Ein großer Teil der Eusionsanhänger ist gerade aus dem entgegengesetzten Gefühl der Stärke für die Eusion eingetreten, indem sie glaubten, eine neue ungeheure Aufgabe der Erziehung übernehmen zu können. Wäre aber alles, was Ihr über den tatsächlichen Zustand des Kartells gesagt habt, richtig, so wäre immer nur die einzige Konsequenz, nicht die der Auflösung, sondern die des Bc>>crmachens. Hie allzuscliurie Kritik übersieht die positivenErfolge, die letzten Endes besagen, das fast al'es, was im zionistischen Leben in Deutschland vorhanden ist, auf das KIV. zurückzuführen ist, auch Ihr selbst. So kommt es, daß jeder, der bisher in den zahlreichen hysterischen Krämpfen der letzten Jahre für die Auflösung des KIV. eingetreten ist. auf die Frage nach einer positiven Lösung eine Antwort gibt, die im Kernpunkt besagt, daß mau am nächsten Tue,,- das KIV. i^u gründen müßte. Aehnlich geht vs.Euch ietzt auch. 2. Ihr seid der Ansicht, daß Erziehung und politische Arbeit nich: gleichzeitig geleistet werden können. Diese Ansicht is: vom Kartell, abgesehen von zwischenzeitlichen Strömungen, bewußt geteilt und beherzigworden. Wir haben-immer auf dem Standpunkt gestanden, daß Außcn- *.irheit erst von den bereits Erzogenen geleistet werden darf. Von diesen Prinzipien ging man aber ab. weil gelegentlich der Maugel :in Arbeitskräften so ungeheuer groß war, daß man sich nicht anders helfen konnte. Soweit mau aber im Verliältnis zum Blau--Weiß bewußt von d'asen Prm;-ipien abging, erlitt man Fiasko. In Richtung dieser Erkenn:.: .s ist m.::1 K'tzt einen bedeutenden Schritt weitergegangen, indem mau d:e AI-.her reu arbeit, d. h. also die politische Alännerarbei: autonom gestaltet und J'üt in ihrem Kernpunkt von der Erzielrmg^trbei: tre;mt. ohne ubrigcn.s d.s.