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Der jüdische Student · 1923-03-01 · Heft 2 (März 1923) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
20 (1923)
Issue
Heft 2 (März 1923)
Date
1923-03-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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38 Die Aufrechterhaltung einer großen, ungeheure Kraftanstrengung erfordernden Organisation, wie es das Kartell ist. ist nicht zu rechtfertigen, wenn der Kreis, auf den sieh die Organisation erstreckt, sich nicht vergrößert. Nur die Gewinnung neuer und wertvoller Menschen gibt uns das Recht und die Voraussetzung, Opfer für das Kartell zu verlangen. Sind in dieser Hinsicht erst die organisatorischen Voraussetzungen für den Fortgang des Kartells gesichert, so wollen wir gemeinsam mit Euch dem Kartell einen Inhalt geben. Wir sind uns. besonders wenn wir die Durchführung der Convente betrachten, darüber klar, daß das Leben des Kartells einer Erneuerung bedarf, daß insbesondere dem Kartell der Hauch frischer Jugendlichkeit verloren gegangen ist. Wir hoffen, die Formen zu finden, mit Hilfe derer die Willensbildung der Kartellorganisationen nicht in nächtelangen Diskussionen und in verräucherten Stuben, sondern in ernster jüdischer Arbeit und im Zusammensein in der Natur erfolgt, so daß der Convent das wird, was er eigentlich sein sollte, nämlich die Versammlung, in der eine bereits vorhandene Willensbildung ihren parlamentarischen Ausdruck findet. Wir sind der Ansicht, daß alle Mittel, die zu einer guten menschlichen und politischen Erziehung führen, von uns angewendet werden müssen, weil wir. in dieser das Hauptziel des Kartells erblicken. Obwohl die Zeitverhältnisse, wie wir wissen, diesen Dingen ungünstig sind, müssen wir doch alles tun, um das Zusammenleben der Bundesbrüder zu fördern und zu entwickeln. Soweit die Formen, die hierfür notwendig sind, schon gefunden sind, wollen wir sie mit aller Energie durchsetzen. Unter den bereits bewährten mittein verstehen wir einerseits Einrichtungen, wie die des Leibverhältnisses, andrerseits das Wandern und die Pflege von Sport und Turnen, ebenso wie die Pflege harmloser Geselligkeit und als Grundstimmung die Pflege jüdischer Traditionen. Unsere Stellung zu den Tragen der Erziehung wird im Einzelnen neu geprüft werden müssen. Wir glauben z. EL daß wir der Erscheinung des Antisemitismus in anderer Weise gerecht werden müssen, als es in den letzten Jahren geschehen ist Wir werden die passive Haltung aufgeben und dort anknüpfen müssen, wo man vor dem Kriege stehen geblieben ist. Wir glauben, daß es ein schwerer Fehler der bisherigen Kartellpolitik war, in Bezug auf die Erteilung einer bestimmten wissensmüüigen Ausbildung alle Forderungen zu bejahen, die überhaupt gestellt worden sind, sei es. daß dieses aus gutem Wük-n geschehen ist. oder ans einer gewissen Furcht, zionir stisch nicht ganz veil genommen zu werden, wenn man besrmmte Forderungen für überspannt hält. Wir halten es für A-ugabe des Kartells, seinen Mitgliedern in Bezug auf ihre Ausbildung ein bestimmtes Minimum zu vermitteln, welches keineswegs zu tief eingeschützt werden darf. Wir glauben, daß dieses Minimum an Wissen in Geschichte, Literatur und

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