Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1923-01-01 · Heft 1 (Januar 1923) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
20 (1923)
Issue
Heft 1 (Januar 1923)
Date
1923-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3537599-3537778-3537779--5806-3543930
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Memorandum , II zionistische Entscheidung abhängig machen läßt, kennt der Blau-Weiß weder den im eigentlichen Sinne privaten Menschen, noch die betonte Herrschaft intellektueller Entscheidungen. Die .Menschen des Blau-Weiß sind in der Ganzheit ihres Wesens erfaßt und umgeformt; ihr Zionismus entspringt nicht Willen oder Einsicht oder Gefühl, weder der Ent- ^% Scheidung in einem Konflikt — etwa zwischen Deutschtum und Judentum \ — noch einer Teilfunktion ihres Bewußtseins. Während der KJV.er zu seiner ganzen galuthhaiten Vergangenheit „Nein14 sagen muß und demnach aus dem geistigen Erdboden seiner Herkunft entwurzelt, durch Erarbeitung von Kenntnissen und Erkenntnissen „jüdisch werden" will, gibt es für den wirklich im Leben des Bundes aufgewachsenen Menscher; des Blau-Weiß weder einen Bruch zwischen gestern und heute, noch einen Konflikt zwischen Sein und Sollen, noch die Notwendigkeit, den Konflikt durch eine „männliche Entscheidung44 zu beenden. Der Blau-Weiß weicht nicht Problemen aus oder verschiebt sie auf später; er kennt sie nicht. Im Gegensatz hierzu ist der KJV.er infolge seiner Ideologie genötigt, im "Räume zwischen Entwurzlung und neuer Verwurzlung nur halb sicher umherzutasten. „Jeder KJV.er muß unzufrieden sein — . . nichts kennen, als arbeiten und Opfer bringen . . ., wehe uns, wenn wir je zu dem Augenblicke kommen, an dem wir sagen könnten: Verweile doch, du bist so schön . . (,J. St.'4, 19- Jhrg.. Seite 257), diese Aeußerung von Fritz Löwenstem bezeichnet sehr gut die Stimmung, in der sich der KJV.er befindet. Der Blau-Weiß dagegen vermag nicht nur seine Gegenwart einmal zu bejahen, er bejaht auch jede zukünftige, und indem er von einem Augenblick zum neuen drängt, bewegt er sich von einer freudig ergriffenen Aufgabe zur nächsten. Die Selbstverständlichkeit des Lebens des Blau-Weiß, in das die Ganzheit jedes einzelnen Menschen eingeordnet ist, führt aus sich heraus zu einer Selbstverständlichkeit des Zionismus. An die Stelle eines ewigen und im Grunde problematisch galuthhaften Stellens idealer Forderungen im KJV. tritt im Blau-Wejß die kaum erschütterliche Wirklichkeit von Menschen, die zusammengehören und zusammengehören wollen. Die Gemeinsamkeit der Menschen des Blau-Weiß, die ebenso wenig auf Grund von schönen Gefühlen, wie auf Grund von Ueberlegungen entstanden ist, erfüllt sich in gemeinsamem Handeln und kann sich allein im Handeln erfüllen: Der Gedanke der Armee war in Prunn kein Gedanke mehr, und der Bund des Blau-Weiß ist seiner ganzen inneren Struktur nach etwas anderes als eine „Verbindung" von Menschen. Der Gehorsam des Blau-Weißen gegenüber der Idee und der Wirklichkeit des Bundes ist ein Ausdruck des Lebens, kein Abstrak;i;ni. Statt äußerer Pflicht und offizieller Verantwortung gilt bei ihm innere Verpflichtung und Verantwortlichkeit. Ist die Gesellschaft des KJV. verstandesmäßig gegliedert, nach Prinzipien einer demokratischen Kulturauffassung, die die Menschen keineswegs nach dem inneren Rang ihres Wesens beurteilt, so genügt der Bund des Blau-Weiß Gesetzen, die durchaus von ihm abhängig sind. Die Schichten des KJV. unterscheiden sich durch Altersstufen jand im Examen geprüfte Kenntnisse, die Schichten des 'Blau-Weiß durch Kriterien, die dem gesamten Sein der Menschen entsprechen. Die Aemter des KJV. kann grundsätzlich em Jeder bekleiden; der Blau-Weiß wird aber nicht von Beamten, sondern von Führern geleitet. Die Gegensätze zwischen Blau-Weiß und KJV. sind, wie die Unterzeichneten meinen, evidentGegensätze, die sich aus dem Sein folgern, müssen keine Hinderungsgründe des Zueirianderkomrnens sein, sondern bedeuten die fruchtbaren Ingredenzien in der erfüllten Verbindung verschiedener Kräfte. Doch wird in einer solchen Verbindung das Heterogene der Elemente nicht vertuscht, sondern im Gegenteil bejaht. Hatte doch zu Beginn der Füsionsverhandlungen bereits Blumenfeld in der Erkenntnis des wahren Sachverhalts :en Gedanken ausgesprochen, daß es sich in dieser Fusion um eiren Kampf von Macht gegen .Macht handle, und daß ihre Gestaltung von dem abhängig sein wird, der Sieger bleibt. Auch er

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.