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Der jüdische Student · 1922-08-01 · Heft 7 (August 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 7 (August 1922)
Date
1922-08-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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247 ist, müssen wir uns Rechenschaft geben ü'ber Jugend, Volkstum und Persönlichkeit. Im B1 a u - W e i ß scheint die Gleicbsetzung von Persönlichkeit und jugendlicher Persönlichkeit keine Frage zu sein, obgleich man gemeint hat, die begeisterte Aufnahme des Scomting for boys könne die Sicherheit dieser Gleichsetzung erschüttern. (Man beschäftige sich im Bl.-W. und im 'K.J.V. mit dem Scout-Ideal Walt Whitman in Reisigers schönen Büchern.) — Die Idee des Volkstums scheint im Btl.-W. durch die > Idee der Gemeinschaft nicht ergänzt, sondern ersetzt zu sein. (Am greifbarsten darin, daß z. B. fast jeder B.-W.-Knirps jeden im K.J.V. arbeitenden Menschen mit nicht zu überbietender Verachtung zu behandeln sich erfrecht.) Da jugendliche -Menschen Volkstum gewöhnlich „romantisch" erleben, ergibt es sich leicht, daß der Makroanthropos, in dem sie sich vervielfältigt und kondensiert wiedersehen, nur aus denen ibestehi. in welchen sie sich ohne Widerstand wiederspiegeln können. Das ist natürlich e'n kleiner Kreis gleichgearteter, oder doch — z. B. durch Naohfolgj eines Führers — gleichgerichteter Menschen. So spielt konsequent Volkstum nur eine theoretische Polle. — Auch hier sitzt* scheinbar Blüher tiefer als Baden-Powell. IV. Das K.J.V. will das „klassische" Volkstnmserleben in seinen Menschen erreichen. Da das jüdische Volk ein Volk auseinander wohnender Menschen ist, muß die Kenntnis der Volksgenossen, die sonst das Leben selbst gibt, erworben werden durch Lernen. Wir glauben nicht, dieser Schwierigkeit aus dam Wege gehen zu dürfen durch Auswahl weniger uns entsprechender Menschen, die wir durch Anschauung kennen lernen können. Säuberungsaktionen machen es — abgesehen von der Schwierigkeit der Grenzziehung — unmöglich, verständnisvoll mit Andersgearteten zusammenzuleben. Und das ist doch ein kleiner Ersatz für das zusammen wohnende Volk, dessen Kenntnis das Leben selbst gibt. So ist dem K.J.V. durch seine ganze Geschichte hindurch Volkstum eine einheitliche Vorstellung, Dagegen sind Objekt der Auseinandersetzung für uns stets gewesen die Abgrenzung der politischen Forderungen gegen die •individu'eWen und die Frage der Jugendbewegung. Die erste Frage wird positiv nie allgemein-gültig beantwortet werden können. Zur Jugendbewegung haben wir zu sagen: Der Jüngling ist ein Strebender,-kein Gesicherter, ein Glaubender, kein Wissender: der prädestinierte Schüler. Er kann nicht der die Zedakah, das Gesetz (chinesich: tao) lebende und mitwirkende Zaddik sein, in günstigstem Falb eben der den Weg, die Emiinah, geh Ade Chaßid. Er ist nicht Schöpfer und Träger einer legitimen Kultur eigenen Rechtes, einer Jugendkultur, er, der geistig fast nie im Sein, höchstens im Sollen wurzelt. Er habe zuvörderst Ehrfurcht, Demut und Liebe, damit sein ewiges Ich und die heimse Welt sich ihm schenken. Außerordentlicher Kartelltag •Das Präsidium hat beschlossen, für Dtezember einen außerordentlichen Kartelltag nach Berlin einzuberufen. Der Karteiltag wird über das künftige Verhältnis zwischen Blau- Weiß und KJV., über die Frage d!er eigenen Jugendarbeit und die im Zusammenhang damit notwendige Umgestaltung des Kartells zu beraten haben.

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