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Der jüdische Student · 1922-06-01 · Heft 6 (Juni 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 6 (Juni 1922)
Date
1922-06-01
Page
[Seite] (sequence 44)
Language
German
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licbraisc- »• S-r ••.. •; -<.-/ h; brui< Jie Literatur sehleüt 2i für die heutige Zeit; Die Form und Wesensart des jüdischen (k-dinkons Kat ecochen, w ie wir sie im Talmud finden, sei bei der"heutigen Oeturaiion durch die verschiedenen Sprachen, Kulturen, deren sich die 'Jüdin bedienen und deren sie sich assimiliert haben, verwischt, oft ausgelöscht. Dali er ist es wünschenswert, wenn wir uns z-uvonW«* mehr Talmud, als inii der hebräischen Sprache als solcher beschäftigen, denr.: ..Die Sprache ist das Kleid der Seele, die Form ( Art und Richtung), des Gedankens aber die Seele selbst und der (unmittelbare) Ausdrudi ihrer Wesensart." VI. Es ergeht Tschernowit z*hierbei wie jener Mutter, die, um ihren Kincb das Lüsen abzugewöhnen, ilim jedesmal, wenn es einen schmalen Brüikensieig passierte, sagte: Wenn du heute nicht die Wahrheit gesagt hast., wirst du ins Wasser fallen und ertrinken. Der „pädagogische" Friolg war. daß das Kind (aus Angst) seine Mutter nicht mehr belog. Physisch resultierte jedoch aus dieser Methode übergroßes Angstgefühl und Unsidverheit beim Passieren von Brücken, worunter das Kind noch als Erwachsener zu leiden hat. TFs c h e r n o w i t z und diese Mutter gleichen sich darin, daß sie, um einer Frfolg sich zu sichern, ihre Aufgabe von einem Teil des Gesamtkomplexes zu lösen versuchen, und ihnen so Sinn und Erfolg des Totalen entgehen. Hätte nämlich die Mutter mit der Gesamtpsyche des Kindes gerechret und dabei gewußt, daß eine derartige Drohung auch andere Folgjji als die gewünschte auslösen kann, so hätte sie die Gefahr eines •Angxu stand es dieser Art erkannt und einen anderen Weg eingeschlagen — VElleicht, indem sie ihr Kind beschämte etc. etc. Sehnlich verfährt Tschernowitz, in :m er vergißt, daß dieses •imemive Literaturstudium vom wirklich Lebendigen 'wegführt und den KontiM zu Menschen und zur heutigen Kultur nicht entstehen läßt, wenn es aich Erkenntnis und Verwertungsmöglichkeiterl der Denkungsart vermittelt. vn. Außerdem ist T s ch ernowi t z. wenn er glaubt, Sprache und Denken so sclari von einander scheiden zu können, wenn er annimmt, das Denken als Gmndeiement betrachten zu dürfen.*) Ohne mich hier auf längere Erörteringen einzulassen, möchte ich mich begnügen, ein ^Beispiel anzuführen, das des oben Gesagte b2stätigen wird. Der erste Passus des Aufsatzes Kohen wenawi von Ach ad Haara lautet wörtlich übersetzt folgendermaßen: „Die Mechanik lehrt, daß zwei Kräfte der Bewegung, deren eine sich z. B. nach Osten und deren andere nach forden w e n d c t. daß, wenn diese beiden zu einer z u s a m m e nk o mm c n . sie eine mittlere Bewegung erzeugen, die sich w eder d o r th i u . n och dorthin wendet, sondern in d i e M i 11 e geht: Dieser Satz vom Parallelogramm der Kräfte würde deutsch ganz ander* ausgedrückt werden, doch ungefähr so: ,.T i r k e n zwei Kräfte, z. B. eine nordwärts und eine ostwärts gericineie. aufeinander ein, so entsteht eine dritte, die Resultierende, die nordöstlich gerichtet ist.'4 Eh Versbich dieser beiden gleichhaltigen Sätze ergibt "folgendes: Im Hjbritschen sieht man streng räumlich die Tatsache, das Nebeneinander, im Oral sehen dagegen konsequent, den Prozeß, das Nacheinander, Das zeigt sich nicht nur im Stil, sondern auch in der Ethymologie.*) *) Vgh Fritz Maiithner, Kritik der Sprache. *'V II.er /.. B. mittlere Bewegung (tenuah henunith) gegen Resultierende (Rcsu'::::t jercebn:**

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