Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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17o Aus den Verbindungen und Bezirksverbänden. spräche teilzunehmen und in ausführlicheren Worten die Lage des Kartells und seire Aufgaben zu schildern. Er verwies auf die Bedeutung des bevorstehende! Kartelltages und richtete einen dringlichen Appell an alle, tatkräftig mitzuarbeiten. Und wirklich durfte man aus der in letzter Zeit stark angewachsenen Anzahl insbesondere auch jüngerer AUer Herren und aus der gehobenen Stimmung der Versammlung heraus die Hoffnung schöpfen, daß der neugewählten Leitung bei einiger Anstrengung ein gewisser inolg nicht versagt bleiben wird. Am Abend versammelte sich der Kreis der Bundesbrüder und deren Frauen bei Tee und Kuchen in einem behaglichen Nebenraume des Ratskellers. Alfred Unna. Ueter die Tagung des B. V. Hamburg erhalten wir aus den Kreisen der Akfiivitas noch folgende Mitteilung: Am 23. April fand in Hamburg eine Tagung des Bezirksverbandes Hamburg statt an der Bundesbrüder ms Lübeck und Hamburg teilnahmen. Das Präsidium war durch Leo Rosenblüth vertreten. Anwesend waren etwa zwei Drittel der zum BW.-Hamburg gehörenden Alten Herren sowie ein großer. \Teil der Aktivita* der Kadimah. Henry Minden eröffnet als Vorsitzender die Tagung mit einem Bericht über die bisherige Tätigkeit des BV. Er betonte als Zwexk des Bezirksverbandes die Bildung einer Gemeinschaft in zionistischer Arbeit. Beruf und Familie, mußte aber zugeben, daß gerade in dem wichtigsten Punkte, der zionistischen Arbeit, der BV. bisher wenig geleistet ofer, wie ein Bbr. in der Diskussion sich richtiger ausdrückte, geschlafen Tratte. Er entwickelte ein Arbeitsprogramm für die Zukunft, dessen Kern die Heranziehung der bisher untätigen Bundesbrüder und straffe Kontrolle den' zionistischen Leistungen bilden sollte. Es Mgte ein Referat Leo Rosenblüths über die Lage des Kartells in ifem er nach einer kurzen Skizzierung der Entwicklung des Kartells nadh dem Kriege alle Probleme und Fragen behandelte, die den kommenden Kartelltag beherrschen werden. Es ist für meine Begriffe ebenso typisch v.ie bedauerlich, daß das Gros unserer Alten Herren diesen Dingen sehr geringes Interesse entgegenbringt, was sich am besten dadurch zeigte, daß eine Diskussion über Rosenblüths Referat einfach nicht aufkommen konnte — jeder Konvent hätte aus dem Referat Stoff zu stundenlangen Debatten geschöpft — ja, daß sogar einige Alte Herren erklärten, über das „iugendlidie Theoretisieren14 wären sie hinaus. Es mag dies mit einer der Hauptgründe für das gespannte Verhältnis zwischen der Kadimah und dem BV. sein, das in der Diskussion durch beiderseitige heftige Vorwürfe zum Auslruck kam. Es zeigte sich auch hier wieder, daß, wie überall, es nur eilige ganz Wenige sind, die die tatsächliche Arbeit leisten und daß diese von dem durch ihre Arbeit erworbenen Recht zur Kritik zum Mißfallen der Lauen den notwendigen Gebrauch machen. Diese etwas mißtönenden, aber für die Arbeit doch förderlichen Klänge traten aber zurück hinter den Hauptthema der Diskussion, den Arbeitsmöglichkeiten im BV. Hamburg. Eingeleitet durch ein Referat von Weigert und ergänzt von Kalmus,, Erich B u c h holz und anderen ergab sich, daß genug Arbeit voiiianden ist: Kercn Kaiessod, HZV., Gemeinde, Arbeiteriürsorge, Ausbildung von Chaluzim, Erziehung, Berufsausbildung usw. Die 4 Bundesbrüder Joseph Bachrach, Henry Minden, Alfred Unna, und Marired Zadik, die zum Vorstand des BV. und zugleich zu Delegierten iir den K. T, gewählt wurden, geben Gewähr dafür, daß das reichhaltig! Programm energisch in Angriff genommen wird. — Ob den beabsichtigte Erfolg der Tagung, den BV. zu neuem Leben zu erwecken, tatsächlich erreicht ist, läßt sich natürlich nicht von heute auf morgen feststellen. Jedenfalls deckte die Tagung die bisherigen Mängel auf, die mtiher .Meinung nach in erster Linie in der geringen Mitarbeit und dem geringen Interesse der meisten Alten Herren sowie in der mangelhaften Füllung mit dem Leben des Karteils und des Zionismus zu suchen sind, vielleicht auch in Organisationsfehiern, und zeigte, daß nur durch energische? und rücksichtsloses Durchgreifen der neugewählte Vorstand -':.s erreiclen wird, was er sich zum Ziel gesetzt hat.