Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 4 (April 1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
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84 sunde Menschenverstand und die Wissenschaft (vgl. den Aufsatz „Zum Problem der Nation"). Seine lebendige Anteilnahme an dem Schicksal des jüdischen Volkes zeigt der Artikel „Zum Beilis-Prozeß", in dem er nicht nur das liberal-humanitäre, sondern das nationale Gewissen der Menschheit wachrütteln will, indem er diesen einen Sonderfall durchaus folgerichtig in die anormale Lage des ganzen Volkes hineinstellt und und, von ihr her versteht. Was Landauer, der immer ein Verwirklicher, nicht nur ein Bekenner der Idee gewesen ist, von der Verwirklichung des jüdischen Nationalismus, vom Zionismus noch trennte, entwickelte er in der höchst bedeutsamen Abhandlung „Sind das Ketzergedanken?" Sie sind ernsterer Auseinandersetzung wert, als das in der Kürze einer Buchbesprechung geschehen kann. Die Gedanken Gustav Landauers gehen jeden von uns an — und jeder von uns soll sie nach—denken. Der „Werdende Mensch" führt zu ihnen und mag manchen zu sich führen. — Martin Buber, „Der große Maggid und seine Nachfolge". Literarische Anstalt Rutten und Loening, Frankfurt a. M., 1922. Dieses Buch bringt Bubers Arbeit für die Belebung des chassidischen Gedankengutes — nicht die* des Chassidismus — zu einem gewissen Abschluß, auch dann, wenn noch weitere Veröffentlichungen aus diesem Kreise von ihm zu erwarten sind. Nicht deshalb, weil das Material ausgeschöpft ist, sondern deshalb, weil der Nachdichter nun die klassische und letzte Form für seine Urbilder gefunden hat. Von den „Geschichten des Rabbi Nachman" über die „Legenden vom Baal Schern" bis zu diesem letzten Werk führt ein Weg, der nach oben weist und nun sein Ziel erreicht hat. Die einzelnen Erzählungen sind immer kürzer geworden, die Wiedergabe immer treuer.. Dies tritt beim „Großen Maggid" schon äußerlich dadurch in Erscheinung, daß hier zum ersten Mal (auf Verlangen) ein Quellennachweis beigegeben wird, der es dem Hebräisch-Verstehenden ermöglicht, Bubers Methode kennen zu lernen. Er wird finden, daß sich diese kurzen Geschichten ihren Motiven und Pointen nach sämtlich in den Vorlagen finden und daß der Nachdichter sie „nur" gestrafft, gereinigt, verwesentlicht und damit konkretisiert hat. Womit mehr und auch mehr Eigenes geschehen ist als mit dem Hineinmischen eigener Hinzu-Dichtung, die wohl beim Rabbi Nachman und vielleicht auch beim Baal-Schern nicht ganz fehlt.. So entsteht diesmal um die 14 Gestalten chassidischer Führer ein wirklich lebendiges Bild der jüdischen Mystik, die in 50 Jahren (von 1750 bis 1800) so rein erblühte und so schnell verging. Ihren geistigen Gehalt vermittelt Bubers tief eindringende Einleitung; ihre phantastische Realität und farbige weltliche Gottfreude werden aus den Anekdoten lebendig, die sich — jede ein Fund! — um die Zaddikim ordnen. Der Jude wird hier Judentum, der. Religiöse Religion finden. Und jeder eine erfüllte Stunde. Ernst Simon, Ruder-V. J. St., Berlin i. a. B. Salman Rubaschow: Privatwirtschaftliche und genossenschaftliche Kolonisation in Palästina. ' Ferdinand Ostertag, Berlin 1922. Soeben erschien im Verlage von Ferdinand Ostertag, Berlin, Salman Rubaschow „Privatwirtschaftliche und genossenschaftliche Kolonisation in