Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 4 (April 1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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78 ten der geistigen Veranlagung sich zusammengeschlossen hätten, dann könnte sie vielleicht der Ansicht sein, daß ein besonderer Verband lediglich zu dem Zweck, sich mit lebhafterem Gebaren am Deutschtum zu begeistern, bei Licht betrachtet möglicherweise doch nicht ganz existenzberechtigt sei. Sie wird, ernsthaft gesprochen, von einem jüdischen Verband verlangen, daß er ihr über das Judentum etwas anderes zu sagen hat, als daß es für sie als Sache lebendigen Empfindens nicht zu existieren habe. Es leuchtet der Gral; umgeben von urdeutschen Kommerzien- und sonstigen Räten hütet ihn Naumann. Aber keine Jugend, die eine ist, wird von diesem Glänze verlockt werden. 'V. Eine Zeitlang mag Herr Naumann, sanft eingewiegt von parteipolitischer Wahlmache, über das Maß seiner Wirkung auf das deutsche Volk sich täuschen; eine Zeitlang mag er eine Partei mit ihren Zufallsgrößen und ihrer Zufallskonstellation für das Volk selber nehmen. Aber vielleicht eines Tages, wenn er gerade — um in seinem eigenen Schwulst zu reden — neben seinen Brüdern nichtjüdischen Stammes vor dem Tempel des Deutschtums steht und dort uns anderen den Eintritt wehrt (das hat er wirklich geschrieben!) — wird er belehrt werden, daß man das Amt eines Gralshüters aucli an den zudringlichsten Apostaten nicht zu vergeben pflegt. Und was vollends das jüdische Volk betrifft — das ist bereits dabei, Naumanns gedruckte Emanationen mit verstehendem Lächeln in sein ehrwürdiges Archiv zu stellen. Da ist bereits eine Abteilung, in der schon viele verstaubte Bücher ganz gleicher Art vorliegen: vom Juden in der griechischen Umwelt, vom Juden in der spanischen Umwelt und in den sonstigen Umwelten, die Lockung genug für restlose Assimilation boten. Das ist eine sehr umfangreiche Abteilung, obschon in all diesen Schriften ziemlich dasselbe zu lesen ist. Habeant sibi, denkt der Archivar, indem er nun auch dies registriert, und wendet sich dann wieder zu wichtigeren Geschäften. Unter solchen Umständen sollte Herr Naumann die Zwischenschicht nicht so beschimpfen, wie er es tut. Denn von ihren Gnaden lebt er. Das deutsche Volk und das jüdische gehen unbekümmert um ihn ihres Weges; sehr bekümmert aber wird die Zwischenschicht, die sich nun schon gar nicht mehr zu helfen weiß. Ihr deutsches Herz, dachte sie, schlüge laut genug. Verhängnisvoller Wahn: Naumanns schlägt noch wesentlich geräuschvoller. Es ist, als hätte gegenüber der Synagoge Fasanenstraße, wo es doch schon hochpatriotisch genug herging, einer ein Konkurrenzunternehmen aufgemacht, mit dem glücklichen Einfall, den Mogendovid kurzerhand durch den preußischen Adler zu ersetzen. Gegen soviel Hemmungslosigkeit ist natürlich schwer aufzukommen. Da stehen sie nun und gucken besofgt auf das Prachtportal gegenüber. Naumann aber, ein jüdischer Ludendorff, diktiert ihnen das Gesetz ihres Handelns. Der helle Angstschweiß bricht ihnen aus, der große