Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 4 (April 1922)
- Date
- 1922-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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i5 der offenbaren Unbrauchbarkeit mancher den Juden vertrauten Wirtschaftsformen für eine nationale Kolonisation ergeben; politische Gefahren, die niemals ganz aufhören werden, bis die politische Gestaltung durch wirtschaftliche Kräfte gesichert ist; Schwierigkeiten, die sich aus der anormalen gesellschaftlichen Schichtung des Volkes ergeben und die daraus hervorgehenden psychologischen Schwierigkeiten, die dem Aufbau eines normalen Volkskörpers entgegenstehen. Nur eine außerordentliche Kraftanstrengung des ganzen Volkes wird diese großen Hindernisse überwinden können. Der Lebenswille, der sich immer wieder verkündete, muß jetzt in einer Handlung der geschlossenen Gesamtheit wirksam werden. Und hier besteht noch eine Schwierigkeit, die vielleicht bedeutender ist als alle anderen: daß die Juden es verlernt haben, als Gesamtheit zu handeln. Wir m ü s - s e n aber beweisen, daß unsere Anerkennung als Gesamtheit durch unsere Fähigkeit zum Handeln als Gesamtheit gerechtfertigt ist. Diese Forderung muß all denen eingehämmert werden, denen jüdische Politik und ihre Ziele etwas bedeuten. Sie muß betont werden gegenüber den jüdischen Kreisen außerhalb der zionistischen Organisation, die erkennen müssen, daß für ihr eigenes Leben die Mitwirkung an dieser Aufgabe jüdischer Solidarität notwendig ist, daß eine Aktion möglich gemacht werden m;uß, die wirklich das Judentum umfaßt. Sie muß betont werden innerhalb der zionistischen Organisation, der Jewish Agency, der Leiterin des politischen Schicksals der Juden, die in jedem Menschen, in jedem Organ, in jeder Handlung ihren Willen und ihre Fähigkeit zum einheitlichen Handeln als Gesamtkörper zeigen muß. Sie muß betont werden gegenüber dem palästinensischen Judentum, das sich seiner Bedeutung als Glied eines großen Gesamtkörpers, der zionistischen Organisation und des Gesamtjudentums, bewußt sein muß. Die politische Autfgabe der jüdischen Gegenwart hängt also ganz unmittelbar mit der erzieherischen Aufgabe zusammen, einen möglichst großen Kreis von Menschen zu schaffen, die imstande sind, das Schicksal der Gesamtheit als ihre Aufgabe zu empfinden und sich ihrem Willen einzuordnen. Gegenüber der den Juden jahrhundertelang eingeimpften Tendenz zur Zersplitterung, zur Atomisierung, zur Auflösung der Zusammenhänge haben sie den Gedanken der Gesamtheit zum Ausdruck zu bringen und eine