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Der jüdische Student · 1922-04-01 · Heft 4 (April 1922) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
19 (1922)
Issue
Heft 4 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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tinmittelbar durch die Machtverteilung bestimmt, ahne daß zwischen die Wirkung der Kräfte die Notwendigkeit der Bildimg eines gemeinsamen, Regeln aufstellenden Willens eingeschaltet wäre. Politik eines Volkes, als Ausdruck des Lebens in der Gemeinschaft der Völker, hat zur Voraussetzung die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Völker. Ein Volk, das in der Isolierung lebt, treibt, als Volk, keine Politik. Es komlmt erst zu einer Politik, wenn es, in der Absicht, die Möglichkeit und den Wert seines Lebens zu beweisen, zu sichern oder zu erweitern, in Kampf oder in gemeinsamer Arbeit an gemeinsamen Zielen mit anderen' Völkern in Verbindung kommt und damit genötigt wird, auf die Verhältnisse des Verbandes einzuwirken. Schon aus diesem Grunde konnte es jahrhundertelang keine jüdische Politik geben. Das jüdische Volk existierte nur in der Isolierung; solange und soweit Ziele und Handlungen der jüdischen Gesamtheit vorhanden waren, richteten sie sich auf Absonderung, auf Vermeidung von Beziehungen. Dieser Versuch eines Volkes, das nationale Leben auch nach dem Verlust der natürlichen Le* bensvoraussetzüng des eigenen, zentral zusammenfassenden Landes weiter zu führen, bewies einen heroischen Willen zur nationalen Existenz und heroische Lebenskraft. Aber trotzdem war der Ver- «► zieht auf die Gemeinschaft der Völker in einer Schwäche des jüdischen Volkes begründet. Das jüdische Volk vermied die Berührung mit den anderen Völkern deswegen, weil es beim Mangel der natürlichen Existenzgrundlagen seine Existenz im Kreise der Völker, in Berührung mit ihren Kräften, nicht hätte behaupten können. Und es zeigt sich, daß die Form der Existenz in der Isolierung in einer Schwäche begründet war. Sie bedeutete Verzicht auf die volle Entfaltung des eigenen Lebens. Es fehlte dem Individuum „jüdisches Volk" die zur vollen Entwicklung notwendige Berührung mit anderen Wesen gleicher Art, die Prüfung seiner Kräfte durch gemeinsame Aufgaben, die Anregung durch den geistigen und materiellen Besitz, Gedanken und Hilfsmittel der Gesamtheit. Es konnte mit all seinem heroischen, aber doch auch gezwungenen, krampfhaft übersteigerten Existenzwillen nur ein halbes Leben führen, weil ihm der Verzicht auf jede Sozialität die eine Hälfte des'Lebens, die Wirkungen der Gegenseitigkeit nahm. Diese Ver» kümmerung des nationalen Lebens bedeutete zugleich, daß den

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