Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 19 (1922)
- Issue
- Heft 2 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3537599-3537768-3537770--5485-3543602- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vom Präsidium. 89 begründet sind. Erst dann wird man beurteilen können, ob die Kritiker der Leitung zu der (weniger von Buber als von manchen gleichgerichteten Schriftstellern beliebten) heftigen Art der Polemik berechtigt sind, die sich nicht nur aus Vertrauen auf die eigene Person, sondern auch aus dem sicheren Bewußtsein der Richtigkeit der eigenen, der Schädlichkeit der bekämpften Sache ergeben durfte. — Die von Rubaschow behandelte Frage der privat wirtschaftlichen Kolonisation von Palästina müßte schon jetzt für eine Reihe praktischer Fragen \on Bedeutung sein. Man merkt kaum etwas davoD, daß unsere wichtigsten Aufbau» fragen unter diesen, die Grundlage berührenden Gesichtspunkten behandelt werden. Yor allem müßte erreicht werden, daß diese Fragen, die wirklich Fragen des allgemeinen Zionismus sind, über den Kreis bestimmter Parteigruppen hinaus die erforderliche allgemeine Beachtung finden. M. B. Blau-Weiß Blätter, Führerzeitung, herausgegeben von der Bundesleitung — Heft 11-12, August^September 1921. Im letzten Heft der Bl.-W.-Führerzeitung wird der schon im März-Heft begonnene Versuch fortgesetzt, das Leben und den Ideenkreis der englischen „boy-scout"-Bewegung, soweit sich beides in den Schriften Baden-Powells, Hargraves u. A. spiegelt, der Bt.-W.-Oeffentlichkeit zu - übermitteln. Der Sinn der „boy-scout"- Bewegung ist von dem des deutschen Wandervogeltums oder gar von dem der an die boy-scouts rein äußerlich assimilierten Pfadfinder wesentlich verschieden. Ziel der Erziehung ist „citizenship" (Staatsbürgertum) und Männlichkeit. Das scout-Gesetz schreibt Treue und Gehorsam nicht nur dem Vaterland, dem König und seinen Offizieren, ja sogar den Eltern gegenüber vor. Die „boy-scout"-Bewegung ist also nicht wie die deutsche Jugendbewegung aus dem Kampf gegen Schule und-Haus entstanden, sondern im Gegenteil, „öffentlich-rechtlich gesichert", gewünscht und anerkannt. Das feine Verständnis des offiziellen England für die Jugend und ihre Bedürfnisse verhindert allerdings den bei den deutschen Pfadfindern gepflegten Geist des Kasernenhofpatriötismus, sondern trägt der Jugend und ihren eigenen Gesetzen weitgehendst Rechnung. Kiplings „Kim" und vor allen Dingen das „Dschungelbuch" mit seinem Hauptheld „MangL", der als Mensch zu den "Wölfen kommt, von ihnen lernt und wieder zu den Menschen zurückkehrt — — das sind die Bücher der „boy-scouts". Die Organisationsform ist teils militärisch, teils dem Leben der Naturvölker entnommen. Der „Stamm" ist in Wölfinge, Krieger und Häuptlinge gegliedert. Totempfahl, das Ratsfeuer, der Medizinmann u. a. sind die notwendigen Requisiten dieses Hordenlebens. Dieser bewußt gepflegten Abenteurerromantik stehen aber eminent praktische Forderungen gegenüber. Will ein ..Tenderfoot« (eigentlich Muttersöhnchen, Neuling, unser „Fux") in den „scout"-stand aufgenommen werden, so muß er ein Examen bestehen, das eine ausgedehnte Kenntnis praktischer Fertigkeiten zur Grundlage hat (erste Hilfe, Spurenlesene Morsealphabet, Kochen, Dauerlaufen usw.). Der „scout" selbst erfährt dann noch eine ganz ins Spezielle gehende Ausbildung, z. B. als Sattler oder Schmied. Im Anhang des sehr reichhaltigen Heftes wird noch auf eine Neugründung innerhalb der deutschen Jugendbewegung hingewiesen, die „Neupfadfinder'', die im Gegensatz zu der Vaterländerei des „Deutschen Pfadfinderbundes" und der Individualisiererei ■ des „Wandervogels" versuchen wollen, „boy-scout"-ldeen auf deutschem Boden zu verwirklichen. Sie geben eine Zeitung „Der wsiße Ritter" (Regensburg) heraus. Zu bedauern ist allerdings, daß in diesem wie auch schon in früheren Heften der Führerzeitung das hier gebotene, sehr interessante Material wirklich nur Material bleibt, und auf seine Eignung für den Bau des Bl.-W. nicht untersucht wird. Die Führerzeitung sollte doch wohl ein (h-gan sein, dessen sich die tonangebenden Leute im Bl.-W. bedienen, um dort die Probleme ihres Bundes zu diskutieren, und es erscheint zwecklos, alles mögliche aus fremden Kulturkreisen nebeneinanderzusetzen wie unbehauene Steine, ohne dabei den Weg zu zeigen, wie dieses Baumaterial bearbeitet und zusammengefügt wird, d. h. also, ohne aus diesen Dingen „Blau-Weiß-Probleme" zu machen. Es wäre daher zu wünschen, daß die folgenden Hefte nicht so sehr der Sammlung, als vielmehr der produktiven Kritik gewidmet wären. Friedrich Max Simon. Vom Präsidium. Keilbericht für das Wintersemester 1921,22. Die Ergebnisse der Keilarbeit gehen aus der nachstehenden Tabelle hervor, ebenso wie die Verteilung der Keilfüxe nach ihrer Herkunft. (Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die Wiederaustritte.) Wiedereintritte werden bei diesen Statistiken nicht berücksichtigt. Die Tabelle über die Herkunft der Keilfüxe ist infolge der ungenügenden Korrespondenz durch die Verbindungen nicht vollständig und nicht einwandsfrei.