Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Keilbericht für das Sommersemester 1921 229 Bezüglich der allgemeinen Erscheinungen, die sieh in der Keilarbeit gezeigt haben, ist folgendes zu bemerken: es ist ganz falsch, wenn vielfach das Keilen nur als Kampf gegen den K. C. aufgefaßt wird. Gewiß ist der K. C. unser Hauptgegner, weil er die organisierte akademische Vertretung der Assimilanten darstellt Aber in keinem Fall darf der Kampf nach der andern Seite hin vernachlässigt werden. Wir verlieren einerseits viele Kräfte an den Sozialismus, andrerseits und zahlenmäßig in noch viel stärkerem Maße an die paritätischen Verbindungen. Bei der Auseinandersetzung mit dem Sozialismus zeigt es sich am ehesten, wie weit unsere jungen Leute von den Verbindungen zu ernsthafter, geistiger Arbeit und zum Durchdenken aller uns berührenden Probleme erzogen werden. Ich kann die Ergebnisse in dieser Beziehung nicht erschütternd linden. Die Behauptung unserer jungen Generation, daß sie mehr Wert auf geistige Interessen lege als die früheren Generationen, scheint sich, wie aus der Korrespondenz mit den Verbindungen klar hervorgeht, mehr auf die ganz -formale Fachausbildung zu bezienen. als auf die sonstige geistige Betätigung. Jedenfalls muß der Aktivitas klar werden, daß das Keilen nicht nur darin besteht, daß bestimmte technische Mittel angewendet werden sollen, sondern daß jede Keilarbeit eine geistige Auseinandersetzung des Zionismus mit der Assimilation u^nd mit allen Zeitströmungen darstellt. Mit Erfolg kann also nur jemand keilen, der von der Verbindung zu geistigem Nachdenken und zur Kenntnis aller in Betracht kommenden Verhältnisse erzogen worden ist. Der Auseinandersetzung mit den paritätischen Verbindungen wird im allgemeinen merkwürdigerweise ausgewichen, obwohl uns hier zahlenmäßig viel mehr Leute entgehen als beim K. C. Es ist unbedingt erforderlich, daß die Verbindungen ihr Augenmerk auf diese Dinge richten. Auch im Lager der Gegner ist deutlich zu spüren, daß sich die Zeitströmungen geltend machen. Der K. C. erhält seinen Nachwuchs von den „Kameraden" durchaus nicht unangefochten. Bei diesen macht sich einerseits die , deutsch nationale Naumannbewegung gegen den K. C. geltend, andrerseits eine Bewegung, die sich nicht gegen die Tendenz des K. C., sondern gegen seine Formen, insbesondere gegen das Fechten und Gouleurtragen wendet und schließlich eine Richtung, die mit diesen freieren Anschauungen den Wunsch nach einer mehr positiven jüdischen Stellungnahme verbindet. Im Sinne der letzteren Tendenz hat sich in Freiburg z. B. eine jüdische Jungschar ,,K ameraden" gebildet, in der beachtenswerte Kräfte zu stecken scheinen. Diese neue Verbindung lehnt die studentischen Formen des K. C. ab und ist in dieser Beziehung offenbar ähnlich der Freideutschen Jugend gerichtet. Die Veranstaltungen bestehen in Wandern, Turnen, Sport und Heimabenden; es werden auch Mädchen aufgenommen. Es ist klar, daß der K. C. durch derartige neue Bewegungen geschwächt wird, es ist aber auch andrerseits klar, daß solche Bestrebungen für uns eine beachtenswerte Konkurrenz darstellen, da sie gerade "die aktiven Kräfte der Jugend erfassen, denen sie als Versuche zu neuem Leben erscheinen. Diese neue Strömung steht in offenbarem Zusammenhang, mit den entsprechenden Richtungen in den neutralen Wanderbünden. Von den bei uns neuaufgenommenen Füxen stammen 20 aus dem Blau-Weiß, 12 aus nationaljüdischen Turn- und Ruderabteilungen, 4 aus anderen nationaljüdischen Jugendabteiiungen, 6 waren Misrachisten, 21 weitere waren Zionisten ohne Zugehörigkeit zu einer Jugendgruppe, 14 bezeichneten sich als jüdisch indifferent, 15 als bewußt assimiliert. Etwa 19 Bläu-Weiße wurden gemeldet, die nicht in das K. J. V. eingetreten sind. Von den Neuaufgenommenen waren 4 Kaufieute und 4 Handelshochschüler. Der B. Z. K. hat nach unseren Berichten in Würzburg, München,