Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 5 (September 1921)
- Date
- 1921-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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208 Die Tagung der zionistischen Studentenweltorganisation 1. Aussprache über die bisherige Tätigkeit der Exekutive. 2. Berichte der einzelnen Landesverbände über ihre Arbeit während des letzten Jahres. Dazu mein Referat über Erziehungsarbeit im K. J. V. 3. Aufstellung eines grundlegenden Arbeitsplanes für die Arbeit der neu zu wählenden Exekutive. 4. Neuwahl der Exekutive. Dazwischen wurden dann noch einige Spezialgeräte gehalten, A. H. Prof. H. Löwe über „Nationalbibliothek und hebr. Universität" in Palästina, Kaplan Kogan über „Internationale Organisation der jüd. wissenschaftlichen Arbeit und das Institut für jüdische Wirtschaftsforsehung". Hierzu kamen dann noch die unerläßlichen Begrüßungsreden, wobei natürlicherweise die Redner, z. B. die Vertreter des Misrachi, es für geraten hielten, der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß die zionistische Studentenschaft in ihrem Sinne in Zukunft arbeiten werde. Bemerkenswert ist hierbei das Referat von Lichtheim, der auf den mangelnden Nachwuchs der zionistischen Beamtenschaft hinwies und die hauptberufliche Arbeit für die Organisation als eine der ersten Aufgaben des zionistischen Akademikers erklärte. Der erste Teil, die Aussprache über die Tätigkeit der bisherigen Exekutive in Amsterdam, war höchst unerquicklich. Die Debatte wurde dadurch äußerst langweilig und fruchtlos, daß einige Delegierte vermochten, die Fehler der bisherigen Exekutive darzustellen und zu zeigen, wie es hätte besser gemacht werden müssen. Ich vertrat die Ansicht, daß es der Exekutive tatsächlich nicht möglich war, die verschiedenen Verbände, die nichts voneinander wußten ünd naturgemäß gegenseitig sich fremd gegenüber stehen und einer gemeinsamen Organisation mit Mißtrauen begegnen mußten, zu irgendeiner gemeinsamen Aufgabe zusammenzufassen, daß die Exekutive das Menschenmöglichste an Arbeit geleistet habe, aber naturgemäß Mißerfolg haben mußte. Ich sprach die Erwartung aus, daß die Tagung zu mindestens eine gegenseitige Annäherung; der einzelnen Vertreter und eine allgemeine Kenntnisnahme über die Arbeitsmethode und Ziele der einzelnen Verbände zur Folge haben würde und dadurch ein größeres gegenseitiges Vertrauen, die unumgängliche Grundlage jeder gemeinsamen Arbeit und beantragte, der Exekutive Decharge zu erteilen; die Debatte wurde darauf geschlossen und, mein Antrag angenommen. Es folgte jetzt der; zweite Teil, die Berichte der einzelnen Landesverbände. Wenn ich hier kurz über die einzelnen Länder berichte, so halte ich mich nicht an die offiziellen Berichte in der, Sitzung, sondern will alles das berichten, was mir wesentlich erscheint von den vielen Dingen, die, ich in der Sitzung und in Privatgesprächen erfahren konnte. - In Amerika bestand bis vor nicht langer Zeit eine etwa 2000 Mitglieder umfassende zionistische Studentenorganisation außer der allgemeinen jüdischen Studenten - Organisation. Die zionistische Studentenorganisation wurde von der zionistischen Organisation der Vereinigten Staaten unterstützt. Als jedoch unter dem Regime von Brandeis die ganzen Aufgaben für nationale Erziehung im Galuth gestrichen wurden, da wurde auch der zionistischen'Studentenorganisation die Unterstützung entzogen. Mittel konnten im Augenblick nicht aufgebracht werden. Das Kartell brach zusammen; heute umfaßt das Kartell etwa 900 Mitglieder, es ist wieder im Aufblühen begriffen. Der Präside des Kartells erwartet für die nächste Zeit eine starke Ausbreitung des Kartells innerhalb der jüdischen Studentenschaft. In Frankreich bestehen hauptsächlich zwei Verbindungen, eine in Paris, die andere in Straßbourg. (früher V. J. St. Straßburg). Die K. J. V.-Disziplin ist fallen gelassen worden, an Stelle der fest organisierten Verbindung besteht ein loser Cercle des etudiants juifs.