Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 3 (April 1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537761-3537764--5247-3543360- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
132 Berichte WJ. St Kadimah, Bonn. Es fehlte uns in .diesem Semester, wiederum die starke führende Persönlichkeit, die stets die beste Gewähr. für den , Zusammenhalt einer Korporation bietet. Dieser Zustand schloß auch Gutes in sieh; denn vielen wackligen Leuten wurde so der Abschied leichter. In Zeiten des Glanzes trennt man sich nicht gern. 15 Bundesbrüder traten im Laufe des, Semesters nach und nach aus. Im allgemeinen löste das kein großes^ Bedauern aus. In wenigen Ausnahmefällenwar die Ablehnung der prinzipiellen Grundlagen des K. J. V. und seiner Erziehungsmethoden aus stark individualistischer Einstellung; heraus Ursache. Hauptgrund für die .Mehrzahl war jedoch die günstige Gelegenheit, schon lange unangenehm gewordene Verpflichtungen bequem loszuwerden. Von den Ausgetretenen näherten-sich drei dem B.Z.K.j- Geschadet haben diese Massenaüstritte unseren Kassenverhältnissen. ' Erfreuliche Entwicklung nahm das Hebräische, Die Verbindung holte sich aus Berlin einen tüchtigen Lehrer und übernahm die Haftung für ein gewisses Mindesteinkommen. An den drei Kursen, die in j e vier Wochenstunden abgehalten wurden, beteiligten. sich außer den Bundesbrüdern noch Blau-Weiße und jüdische Studentinnen. Die erzielten Erfolge waren gut. Zwei Bundesbrüder bestanden das Inaktivenexamen. In der Berufsfrage sind die Fortschritte^ weniger befriedigend; doch sind immerhin Anfänge einer Besserung zu verspüren. An unserem wöchentlichen Turnen beteiügten sich B. Z. K.er und Blau-Weiße. Rein gesellige Veranstaltungen waren knapp, da wir früher schon schlechte Erfahrungen damit gemacht haben. Unsere Chanukkah-Feier in größerem Kreise könnte man als gut gelungen bezeichnen, wenn man die Zufriedenheit des Publikums als Maßstab nimmt. Die Wanderungen waren — wohl nicht nur bei uns — schlecht besucht. » Der Zusammenhalt der Bundesbrüder war erträglich, gegen Ende des Semesters gut. ♦ Die Arbeitsstelle führte die Vorbereitung der Ortsgruppen-Veranstaltungen, die Büchsenleerung und die Purim-Aktion des N. F. durch und leistete dem Jüdischen Arbeitsamt Köln Gelegenheitsdienste. Für den Keren hajessod tat die Verbindung noch nichts. Bundesbrüder beteiligten sich des weiteren an der Gründung eines ostjüdischen Arbeitervereins, dessen Wert jedoch noch sehr skeptisch zu_ beurteilen ist. Das Gelingen des nächsten Semesters ist durch die geringe Zahl der Überweisungen erschwert. Hugo Hei mann WJ.St. Saronia, Frankfurt a. M. Nach einem glänzend geleiteten Sommersemester übernahm ein aus ganz jungen Bundesbrüdern bestehender CG die Leitung für das Wintersemester 1920/21. ... Die ersten Wochen des Semesters standen unter dem Zeichen einer gewissen Disharmonie. Es gab den Anschein, als ob auch in Frankfurt jene Krisenstimmung herrschen würde, von der die letzten J. Sten berichteten. Der Kartelltag, i der einstimmig feststellte, daß eine Krise nicht vorhanden sei, hat auch .natürlich seine Wirkung auf Frankfurt nicht' verfehlt, denn die zweite Hälfte des Semesters zeigte jenen engen Konnex und Zusammenhang,; der für das Gedeihen eines Semesters unbedingt notwendig ist. Ein Zeichen dieses Zusammenhanges dürfte wohl die Ablehnung der GruppenbMdung und das Ausstoßen aller jener Elemente, die der gesunde Körper nicht mehr ertragen wollte, bedeuten. Der Mittelpunkt unserer Erziehungsarbeit waren die Tendenzstunden und unsere Sehabbos - Nachmittage, die stets von echter jüdischer Sabbatstimmung getragen waren, teils gemütlichem Zusammensein, teils ernsten Betrachtungen geschichtlicher und aktueller Art gewidmet,