Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 3 (April 1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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108 Der Stand des Hebräischen im Kartell Dies Ziel kann bei Schülern, die in dem systematischen Unterricht westeuropäischer Schulen groß geworden sind, nur erreicht werden, wenn ihnen zunächst eine sichere. Fundierung in Grammatik gegeben wird. Das berüchtigte „gefühlsmäßige Erfassen" grammatischer Regeln ist völlig wertlos, wenn es nicht auf sicheren, durch Erlernen und Üben erworbenen Kenritnissen basiert. Diejenigen Bundesbrüder, die ihren Weg nach Palästina rinden werden, werden dort auf Grund der Kenntnisse, die sie sich beieiner solchen Unterrichtsmethode erworben haben, worin naturgemäß auch etwas Stilistik eingeschlossen ist, das Hebräisehsprechen viel gediegener und schneller erlernen, als Leute, die durch eine Schnelllernmethode auf das rein mechanische Sprechen eingepaukt worden sind, die nur die technische Seite der Sprache kennen^ lernten ohne einen tieferen Einblick in ihre Seele gewonnen zu haben. x Die Anzahl der Wochenstunden in den Kursen muß für die ersten beiden Semester mindestens vier Stunden betragen, für das dritte und vierte.....Semester mindestens drei Stunden. Unter dies Minimum darf in keinem Falle heruntergegangen werden, da sonst eine Erreichung des gestellten Zieles ausgeschlossen ist. Die Kursleiter müssen mit cem hebräischen Ressort in enger Verbindung stehen und ihm am Beginn des Semesters über die Teilnehmerzahl, im Laufe des Semesters über die Fortschritte des Unterrichts und am Schlüsse des Semesters über die Gesamtergebnisse genauen Bericht erstatten. Über das Inaktivenexamen, das in der Regel am Ende des 6. Semesters stattzufinden hat, ist oben schon einiges gesagt .worden. Diesem Examen muß die Autorität verschafft werden, die das Bürschenexamen im Laufe der Jahre im Kartell gewonnen hat. Dies kann nur dann, erreicht werden, wenn es mit unnachsichtiger Strenge gehandhabt wird und die Inäktivierung nur®"nach bereits bestandener Prüfung erfolgt. Weit schwieriger zu lösen als die bisher behandelte Frage ist die Frage der Beschaffung von hebräischen Lehrkräften für alle Verbindungen des Kartells. Hierfür kann ich leider keine allgemein befriedigende Lösung angeben, da sie nicht allein von unserm guten Willen abhängig ist, sondern auch oft von äußeren Umständen, die zu ändern nicht immer in unserer Macht steht. Am deutlichsten zeigt sich das im Falle der beiden in Bayern befindlichen Verbindungen Würzburg und München. Hiermit wird sich das Präsidium zu beschäftigen haben und evtl. eine Eingabe an die zuständigen bayrischen Behörden machen müssen, um die Erlaubnis zum Zuzug hebräischer Lehrkräfte, welche die deutsche Staatsangehörigkeit nicht besitzen, nach Würzbufg und München zu erwirken. Wenn auch diese Fälle in ihrer Schärfe einzig dastehen, so liegen die Dinge in anderen Städten keineswegs viel leichter. Manche Verbindung, die an ihrem Ortev keinen Lehrer finden kann, und sich deshalb einen von auswärts kommen lassen muß, wird die Kosten hierfür aus ihrer Kasse allein nicht bestreiten können, wie es z. B. die Bonner Verbindung bisher getan hat. Solche Verbindungen müssen rechtzeitig mit der zionistischen Ortsgruppe in ihrer Stadt' Verhandlungen anknüpfen, eventuell zusammen mit den anderen am Orte bestehenden nationaljüdischen Verbänden, um von ihr finanzielle Unterstützungen zum Unterhalt einer hebräischen Lehrkraft zu erhalten. Dieser Lehrer hat selbstverständlich nach dem für das ganze Kartell geltenden Lehrplan zu unterrichten. In viel weiterem Maße als bisher muß die Kraft der Hebräisch beherrschenden Bundesbrüder für den Unterricht nutzbar gemacht werden. Hier ist wiederum zunächst eine genaue Statistik dieser Bundesbrüder mit Angabe ihrer hebräischen Kenntnisse und pädagogischen Fähigkeiten erforderlich. Bei einigem pädagogischen Verständnis werden Bundesbrüder mit weniger umfangreichen Kenntnissen der Sprache sehr gut imstande sein, einen Anfängerkurs, etwa das Pensum der ersten beiden