Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 2 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Berichte um die Regelung der Flüchtlingsfürsorge handelte. Er empfindet sehr die innere Gleichgültigkeit der Bundesbrüder. 'Lyon und Preuß wandten sich mit aller Schärfe gegen Gidion und andere Bundesbrüder, die ihre Nichtarbeit damit begründeten, daß sie nur palästinazentrische Arbeit zu leisten hätten. Preuß führte hiergegen insbesondere die Folgeerscheinung dieser Ansicht vor Augen, die den Zionisten zu einem jüdisch völlig untätigen Mensehen verurteile, da gerade diejenigen, die dieser Ansicht folgten, in den meisten fällen nicht im Stande seien, in absehbarer Zeit nach Palästina zu gehen oder für das Land wertvolle Arbeit zu leisten. An diese teilweise sehr erregte Diskussion schloß sich der Kassenbericht an. Es wurde beschlossen, die Beiträge für selbständige Bundesbrüder auf 15 Mark, für unselbständige auf 10 Mark pro Semester zu erhöhen. Der Leiter des Bezirksverbandes, Hugo Cahn, wurde wieder gewählt, zum zweiten und dritten Vorsitzenden wurde Bundesbruder Lyon und Hans Israel neu gewählt. Hugo Cahn betonte zum Schluß der Tagung, daß die Bundesbrüder die aus der Diskussion gezogenen Lehren beherzigen würden, und eröffnete, daß jeden Monat eine Zusammenkunft stattfinden werde, auf der jeweils ein Referat über Tagesfragen gehalten werden solle. Er gab sich der Hoffnung hin, daß der Bezirks verband nun ausgeschlafen habe und in Kürze auch den noch herrschenden Zustand der Schlaftrunkenheit überwunden haben werde. Hugo Cahn V.J.St. Maccabaea, Königsberg. Unser Antrittskonvent besetzte die Chargen -mit: Siegfried Kanowitz* David Nachmannsohn** und F. M. Jadesohn*** und S.W. Das Semesterprogramm enthält: zwei Tendenz-Fuxenstunden, die Bbr. Nachmannsohn erteilt, ein Palästina-Burschenkurs, in dem acht Themata behandelt werden sollen, einmal wöchentlich ein geselliges Beisammensein bzw. Aussprache über ein aktuelles Thema, einmal Turnen, monatlich zwei Wanderungen. Hebräisch wird im Jugend-Ausschuß in zwei Abteilungen unterrichtet. Siegfried Kanowitz* V.J.St. „Kaiikwah", Leipzig. Die Situation zu Beginn des Wintersemesters war insofern heikel,, als daß eine sehr geringe Anzahl arbeitsfähiger Burschen einer großen Fuxenkorona gegenüberstand, die sich aus recht verschiedenartigem Material rekrutierte. Eine Enttäuschung blieb uns nur 'deshalb erspart, weil wir in klarer Abschätzung der vorhandenen Kräfte uns nur auf das Erreichbare zu beschränken vornahmen. Unser Bestreben ging daher zunächst dahin, in den jüngeren Bundesbrüdern das Gefühl menschlicher Verbundenheit und das Bewußtsein unbedingter Pflichterfüllung der Gesamtheit gegenüber durch freundschaftlichen Verkehr, wie auch durch größere geseilige Veranstaltungen zu erwecken. Der Erfolg dieses Erziehungsprinzips war vollkommen unbefriedigend. Dazu kam noch, daß sich nach und nach ein Gegensatz in bezug ftuf die Erziehungsgrundsätze unter den Chargierten herausstellte, der uns zur Umchargierung und zum Übergang auf eine straffe Erziehungsform veranlaßte. Die Vorbereitung zum Kartelltag gab uns Gelegenheit, durch erhöhte Anspannung, besonders der Jüngeren, die Gewöhnung an Disziplin und verantwortungsvolle Mitarbeit zu fördern. Der Vorteil, der sich in erzieherischer und moralischer Hinsicht hieraus ergab, wurde durch den Umstand aufgehoben, daß die organisatorischen Vorbereitungen eine geregelte und wissenschaftliche Arbeit für längere Zeit verhinderten. Die Verbindung hatte sich dann nach den Weihnachtsferien neu zu befestigen, was ihr auch dieses Mal entgegen dem Semester - beginn rasch und gut gelang. Dem frischen Zug, der seitdem unsere Arbeit belebte, verdanken wir, daß wir zurückblickend das vergangene Semester als ein gutes bezeichnen dürfen.