Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1921-03-01 · Heft 2 (März 1921) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 2 (März 1921)
Date
1921-03-01
Page
[Seite] (sequence 37)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3537599-3537761-3537763--5187-3543299
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

i Berichte 73 Berichte Linksrheinischer Bezirksverband, Köln. Am 21. November fand zum ersten Mal seit dem Kriegsende wieder ein Bezirksverbandstag der Bundesbrüder im besetzten Gebiete in Köln statt. Die rege Teilnahme und die ausgiebige Diskussion bewies, daß der Bezirksverband zwar lange Zeit geschlummert hatte, sieh jedoch während seines Schlummers einen guten Kern konserviert hatte. In einem Referat über die Keilarbeit legte A. H. Hugo Cahn dar, daß manches an der Keilarbeit zu wünschen übrig ließe. Dies sei vor allen Dingen auf die lange Zerrissenheit und Verkehr sschwierigkeit im besetzten Gebiet zurückzuführen, vor allem aber auch darauf, daß seit Monaten keine Kontrolle mehr über die im Bezirk ansässigen Bundesbrüder herrsche, ja, daß in vielen Fällen dem Bezirksverband gar nicht oder erst sehr spät die Neuaufnahme von im Bezirksverband ansässigen Bundesbrüdern bekannt geworden sei. Die Keilfüxe seien zum größten Teil erfaßt worden durch systematische Anfragen bei den höheren Schulen und durch persönliche Bearbeitung in den Zentren, wo sich zum Keilen geeignete Bundesbrüder aufhielten. Eine Kartothek ermögliche eine genaue Kontrolle. In zwei Punkten müsse die Organisierung besser werden. Erstens müßten sämtliche Verbindungen unverzüglich die Neuaufnahme oder das Ausscheiden von Bundesbrüdern den Bezirksverbänden mitteilen; die bisher zahlenmäßige Mitteilung des Präsidiums genügt nicht. Sodann müsse am Ende jeden Semesters von den Verbindungen mitgeteilt werden, welche Bundesbrüder sich während der Ferien im Bezirksverband aufhielten; diesen Bundesbrüdern müsse zur Pflicht gemacht werden, den Tag ihrer Ankunft und Abreise unmittelbar dem Leiter des Bezirksverbandes bekanntzugeben. Sodann hielt A. H. Lyon einen Bericht über die Lage der zionistischen Arbeit im Bezirksverband.. Er war der Ansicht, daß das K. J. V. seine führende Stellung verloren habe. Früher habe das K. J. V. infolge seiner,, Einzelerziehung und Geschlossenheit eine große Stoßkraft entfaltet und, wo es jeweils notwendig war, im zionistischen und jüdischen Leben die Initiative ergriffen und allen Unternehmungen seinen Stempel aufgedrückt. Heute sei das K. J. V. nur noch eine große Interessengemeinschaft, die infolge ihrer Zersplitterung ein einheitliches Ziel nicht mehr verfolge. S. E. habe das K. J. V. zwei Aufgaben zu erfüllen, nämlich Erziehung nach und für Palästina und Zionisierung des Galuth, Er ging dann im einzelnen die jüdischen Organisationen Kölns durch und zeigte, daß die Mitarbeit der Kölner Bundesbrüder an einigen Stellen sehr dürftig sei. Er brachte zum Ausdruck, daß bei allen Organisationen Bundesbrüder mitzuwirken hätten, empfahl insbesondere den Eintritt in die Loge — der übrigens heute schon vier Bundesbrüder angehören — und widerlegte die oft gehörte Ansicht, daß die K. J.V.er nur verpflichtet seien, rein zionistisch zu arbeiten, betonte vielmehr, daß überall das K. J. V. als solches sich bemerkbar machen und sowohl Einfluß auf die Gemeindepolitik, als auch auf alle sonstigen Vorgänge im Galuth gewinnen müssen. Das K. J. V. müsse wieder das werden, was es sein solle, nämlich die Organisation von jugendlichen Menschen. Alle Strömungen im zionistischen Leben müßten das K. J. V. befassen und von ihm verarbeitet werden. Das K. J. V. müsse wieder neue Ideen schaffen, aus denen neue Kraft geschöpft werden könne, das K. J.{V. müßte mit einem Wort wieder geistiger Führer im Zionismus werden. Wenn dann der Ruf aus* der zionistischen Welt wieder hervordringe, dann habe das K. J. V. wieder Zweck und Bedeutung erhalten. Hieran schloß sich eine mehrstündige Diskussion. Im großen und ganzen schälten sich zwei Ansichten heraus. Die von Lyon, Preuß, Landauer vertretene Richtung verlangte, daß die Bundesbrüder täglich und stündlich davon beseelt sein müßten, K. J. V.er - Arbeit zu leisten. Diesen inneren Willen hat Preuß gerade bei den Kölner Bundesbrüdern vermißt, als es sieht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.