Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 2 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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K.-T.-Referät über Dienstpflicht und Keren hajessod 51 K,'T.^Referat über Dienstpflicht und Keren hajessod (Inhaltsangabe) Von Moritz B 1 1 e s k i, Berlin Nach San Remo wurde die Einführung der zionistischen Dienstpflicht für das Kartell vorgeschlagen. Zwei Gründe gaben hierzu Veranlassung: man erwartete, daß die zionistische Arbeit sehr erheblich verstärkt werden würde; man rechnete nicht nur mit einer wesentlichen Steigerung der Intensität, sondern auch mit einer Ausdehnung auf zahlr reiche neue Gebiete, die bisher nicht eigentlich im Aufgabenkreis der Organisation gelegen hatten, Daher glaubte man, daß ein sehr starkes Bedürfnis nacharbeitenden Kräften und die Möglichkeit und Notwendigkeit vorhanden sein würde, diese Kräfte auf vielfältigen sachlichen Gebieten zu beschäftigen. Außerdem wurde im Kartell die moralische Verpflichtung empfunden, in einer Situation, wie sie der Beschluß von San Remo geschaffen hatte, die Bereitwilligkeit und die Erkenntnis der Notwendigkeit zu persönlicher Mitwirkung zum Ausdruck zu bringen. Es sollte nicht lediglich eine Demonstration stattfinden, sondern dieses Bedürfnis nach praktischer Mitarbeit wurde empfunden, weil die Gedanken des Kartells diesen Beweis ihrer Echtheit verlangen mußten. Wir mußten erkennen, daß eine der beiden Voraussetzungen für die Einführung der Dienstpflicht nicht oder zum mindesten nicht in dem erwarteten Umfange eingetreten ist. Die zionistische Arbeit ist zwar verstärkt worden, aber nicht in dem Maße, wie es ursprünglich schien. Insbesondere hat die Arbeit der zionistischen Organisation in Deutschland nicht einen so vielfältigen Charakter angenommen, wie man nach San Remo glaubte. Eine Veränderung in dem Sinne der Bearbeitung zahlreicher sachlicher Aufgaben trat nicht ein. Vielmehr besteht die Tätigkeit der zionistischen- Organisation in Deutschland nach wie vor im wesentlichen in Propagandaarbeit. Die durch die Verhältnisse bedingte Sparsamkeit gestattete nicht, auch nur auf diesem Gebiete eine grundlegende Veränderung durch den Aufbau eines großen Apparates vorzunehmen. Eine Beschäftigung zahlreicher Kräfte gegen auch nur geringes Entgelt kam nicht in Frage. Die zweite Voraussetzung, die moralische Verpflichtung des Kartells zu unmittelbarer Mitarbeit bleibt bestehen. Sie ist durch die den ursprünglichen Erwartungen nicht entsprechende Entwicklung seit San Remo verstärkt worden. Wenn die Kräfte der zionistischen Bewegung den zweifellos vorhandenen neuen Möglichkeiten nicht entsprechen, so muß mit umso größerer Notwendigkeit die Verpflichtung gefühlt werden, alle Personen und alle Mittel, von denen eine nützliche Wirkung erwartet werden kann, unmittelbar in die praktischen Aufgaben der zionistischen Gegenwartsarbeit hineinzustellen. Es bleibt also für uns zu untersuchen, welche Möglichkeiten der Verwertung des Dienstpflichtgedankens unter den angedeuteten einschränkenden Voraussetzungen für uns vorhanden sind. Es wird einige und" vielleicht nicht ganz wenige Fälle geben, in denen Bundesbrüder bestimmte Aufgäben in der Organisation in einer Weise übernehmen können, die der Ausübung einer Dienstpflicht gleichkommt. Allgemeiner wird der Gedanke der Dienstpflicht durch die neue Einrichtung der Arbeitsstelle nutzbar zu machen sein. Weiter besteht für die Allgemeinheit die Möglichkeit, der Teilnahme an der Arbeit für den Keren hajessod. Der Keren hajessod muß von allen K. J. V.ern als die zentrale Aufgabe der zionistischen Arbeit erkannt werden. Es muß klar werden, daß es Sich nicht um eine mehr oder weniger erhebliche Finanzaktion handelt, daß vielmehr die Keren hajessod-Aktion eine grundlegende politische Bedeutung besitzt. Die Ausnutzung unserer politischen Chancen ist von der Aufbringung der Mittel abhängig. Das Gelingen der Keren hajessod-Aktion soll den Beweis dafür erbringen, daß ein Teil des