Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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34 sie wie ixr den anderen Östlichen Ländern. Auch hier tauchen ungeheure Fragenkcmplexe auf; alle Erscheinungsformen des wirtschaftlichen, politischen, kulturellen Lebens in den Galuthländern wären zu registrieren und zu Ammeln. So brennend wie die Palästinavorarbeiten, welche unbedingt in den nächsten Jahren in Angriff genommen werden müssen, sind diese Galutharbeiten allerdings nicht. Aber daß sie von der wich- tigsten iedeutung für unser Volk sind, .braucht nicht auseinandergesetzt zu werdm. Ein ffritter Punkt. Der K.-T. hat die Schaffung eines Berufsberatungsressorts beschlossen. Wie sehr würde die Arbeit dieses Ressorts gefördert werden, wenn ihm der Informationsdienst einer Zentrale des Weltvertandes der zionistischen Akademikerschaft zur Verfügung stände, wenn es z. B. jederzeit über die Aussichten des Lehrerstandes im Osten orientieitt werden könnte. Der interterritoriale Berufsnachrichtendienst, den die Kadmah Hamburg in ihrem K.-T.-Antrag fordert, könnte, soweit es sich um akademische Berufe handelt, am besten durch den Weltverband erfolgen. * Ich denke noch an einen vierten Punkt, der speziell die Interessen der jüdisshen Studentenschaft des Ostens betrifft. -Der jüdische Student des Ostms befindet sich heute auf einer ständigen Flucht von einer Universität zur andern, von einem Lande zum andern. Sein Los würde wesentlicherleichtert werden können, wenn ein zentral geleiteter Info rmatioisdiens-t über Lage und Behandlung der ostjüdischen Studenten in den ehzelnen Ländern und an den einzelnen Universitäten geschaffen werden itönnte. Auch die Erfahrungen über die soziale Hilfsarbeit für diese Studenten müßten ausgetauscht werden; ist doch z.B. bei uns kaum etwas voi dem großzügigen Hilfswerk der Wiener jüdischen Studentenschaft beiarmt! Es ähd also wahrlich genügend dringende und wichtige Aufgaben für den Weltverband vorhanden, aber leider müssen wir nur zu skeptisch sein, ob der junge Weltverband diesen Aufgaben gewachsen ist. Trotz meiner verschiedenen Anfragen, welche Arbeiten der Weltverband seit seiner Gründung vorgenommen hat, habe ich darauf noch keine Antwort erhalten. Auch das Begrüßungsschreiben, das hier beim K.-T. vom Weltverfcand eingegangen ist, spricht nur von den wichtigen Aufgaben des Verbandes, nicht aber davon, welche Vorarbeiten bisher geleistet worden sind. Das bisherige Versagen des Verbandes ist aber nur zu erklärlich;: denn die Londoner Leitung hat, wie erwähnt, nichts getan, um die Voraussetzungen zu klären, unter denen der Welt verband eine ersprießliche Arbeit hätte beginnen können. Eine Änderung ist nur zu erwarten, wenn die Leitung endlich ihr Schweigen bricht und bekannt gibt, wie sie sieh die Leistung der Vorarbeiten für das Aufbauwerk denkt. Mit etwas mehr Inhalt könnte aber der Weltverband schon jetzt erfüllt wsrden, wenn" seine, Glieder mit der hier in Betracht kommenden Arbeit beginnen würden. Was das K. J. V. anbetrifft, so käme auch für diese Arbeit das Berufsberatungsressort in Frage. Allerdings müßte die Kompetenz dieses Ressorts dazu erheblich erweitert werden. Voraussetzung üeser Arbeit wäre die Zusammenfassung aller bereits im Beruf stehendei Bundesbrüder, getrennt-nach den einzelnen Berufen. Die einzelnen Bärufsverbände müßten die für die augenblickliche Situation in Palästina dringendsten Fragen durch ihre Mitglieder bearbeiten lassen. (MaieriäkammTung und sonstige wissenschaftliche Vorarbeit.) Ich selbst denke daran, den Versuch zu unternehmen, die bisher so arg verleumdeten J.iristen zusammenzufassen oder wenigstens einmal ihr jüdisches Arbeitsgibiet — es ist unendlich groß — festzustellen, falls eine genügende Anzahl juristischer Bundesbrüder sich zur Mitarbeit bereiterklärt. Daß all diese Arbeit nur Stückwerk bleiben kann, solange nicht ein systematischer Plan vorhanden ist, habe ich schon betont; aber das sollte-