Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Die zionistische Studenten-Weltorganisation. 33 Ländern zusammenzukommen. Ferner hielt uns die Erwägung von einer ablehnenden' Stellungnahme der Weitorganisation gegenüber ab, daß wir heute noch nicht übersehen können, auf welche Weise die wissenschaftliche Vorbereitungsarbeit für den Aufbau des jüdischen Palästina geleistet werden soll, und daß es trotz aller Bedenken möglich ist, daß die Leitung eine derartige akademische Organisation für die Leistung solcher Arbeiten für nützlich hält. Ich sehe die Möglichkeit, den Weltverband der Studentenschaft für die zionistische Arbeit nutzbar zu machen, vor allem in folgenden Punkten: Als der wichtigste Punkt erscheint mir die Teilnahme an den wissenschaftlichen Vorbereitungsarbeiten für den Aufbau Palästinas. Wir wollen in Palästina ein Gemeinwesen errichten, das in sich alle Differenzierungen eines normalen Volksdaseins und modernen Kulturlebens aufweist. Im Lande sind aber auf allen Gebieten nichts als die primitivsten Ansätze für die Ausbildung einer derartig umfassenden allgemeinen Kultur vorhanden. Wir wollen und müssen die Erfahrungen, die die modernen Kulturvölker, bei der Ausgestaltung ihres Gemeinwesens gesammelt haben, benutzen, benutzen unter der selbstverständlichen Voraussetzung der Berücksichtigung' der besonderen Verhältnisse unseres Volkes una unseres Landes.. In allen Kulturländern haben wir Anhänger unserer Idee zu sitzen, unter denen sich genug Sachverständige auf allen Gebieten befinden, welche die wissenschaftlichen Materialsammlungen, die wir für den Aufbau unseres Landes benörigen, vornehmen können. Die Zerstreuung, die sonst unser Fluch ist, kann uns hier zum Segen gereichen. Wir würden diese Arbeit auf die einzelnen Länder so verteilen, daß wir bestimmte Gebiete den Zionisten solcher Länder zuweisen, welche gerade auf diesem Gebiete Hervorragendes leisten. Die. Vorarbeiten etwa über chemische Industrien, über Versicherungswesen, über soziales Recht würden die zionistischen Akademiker Deutschlands vornehmen müssen, da Deutschland auf diesen Gebieten führend ist, die Arbeiten über Gartenbau und Viehzucht die Niederländer, über Bankwesen die Engländer. Ich habe wahllos einige Länder und einige Themen aus dem juristisch und volkswirtschaftlichen Kreise herausgegriffen; es ist klar, daß alle anderen Gebiete des Volkslebens und alle~anderen Kulturländer ebenso dafür in Betracht kommen. Im übrigen würde regelmäßig nicht nur e i n Land zur Bearbeitung eines Themas herangezogen werden müssen, sondern mehrere oder alle, da gerade durch die Vergleichung der verschiedenen Gestaltung irgendeiner Kultureinrichtung in den einzelnen Ländern Schlüsse auf das gezogen werden können, was sich für Palästina eignet. Aus dem Gesagten geht hervor, daß eine derartige Arbeit, die so außerordentlich dringend und wichtig erscheint, nur sinngemäß geleistet werden kann, wenn sie systematisch vo. genommen und planmäßig eingeteilt wird. Es wird von der Londoner Leitung gefordert werden müssen, daß sie endlich zu dieser grundlegenden Frage Stellung nimmt, und daß sie erklärt, ob sie die Durchführung dieser Arbeiten oder eines Teiles derselben der zionistischen Akademikerschaft der Welt unter ihrer Kontrolle anvertrauen wi\\{ Das zweite Arbeitsgebiet für den Weltvcband könnte der Austausch der Erfahrungen über die Arbeit in den . . rschiedenen Galuthländern sein. Heute ist es im wesentlichen so, daß die Zionisten des einen Landes nicht über die hauptsächlichen Einzelheiten, ja oft auch nicht über die grundlegenden Formen der Landesarbeit der Zionisten eines anderen Staates orientiert sind. Auch hier wären wissenschaftliche Vorarbeiten, wie beim ersten Punkt, nötig. Das Thema dieser Vorarbeiten wäre hier: Die Lage der Juden in den einzelnen Landern und die dort geleistete Volksarbeit. Wie wichtig wäre z.B. für uns eine Zusammenstellung des Materials über die nationale Autonomie der Juden im Osten, sei es der durchgeführten wie in Litauen, sei es der Formen des Kampfes um