Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537761-3537762--5115-3543226- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nach dem Kartelltag. 3 Nach dem Kartelltag Von Leo Rosenblüth, Berlin l!e waren von der Tagung überrascht und einheitlich war die l \ Überzeugung, daß der Kartelltag im allgemeinen erfreulich verlaufen ist. Er zeigte, daß viele Artikel, die wir in der letzten Zeit lasen, doch zu sehr von einem mangelhaften Glauben an die Existenzberechtigung des K. J. V. ausgingen, daß man sich größtenteils in eine „Krisenstimmung", beeinflußt von lokalen Verhältnissen, hatte bringen lassen. Und nur im Sinne eines Neubeginnes und einer Neuentwicklung messe ich dem dritten Kartelltag eine besondere Bedeutung bei. Es ist nicht so, daß er schon am Ende einer Entwicklung steht, sondern er zeigt nur, daß wir Menschen genug und den guten Willen haben, um auszuführen, was man in Leipzig verlangte. Seit langem zum erstenmal erlebten wir einen Kartelltag, der frei war von jeder persönlichen Streitigkeit, frei von so stark divergierenden Ansichten, daß sie hätten zu sensationellen Auftritten führen können. Ich glaube, man darf heute feststellen, daß die Gründung des B.Z.K, für uns eine notwendige und nützliche Entwicklung war. S'e macht es uns überhaupt erst möglich, frei von diesen Pseudokämpfen wirklich wieder am Aufbau des Karteils zu arbeiten. Es war auch ein Fehler, daß so auffallend wenig Alte Herren in Leipzig waren; obschon das, was in den nächsten Jahren geleistet werden muß, von der selbständigen und aufopfernden Arbeit der Aktivitas abhängt. Wie der gesamte Kartelltag ein Bild der herangewachsenen neuen Generation bot, so zeigt auch das neue Präsidium die Tendenz, ältere Kräfte durch jüngere zu ersetzen. Die fast von allen mit wirklicher Freude empfundene Wahl B.ileskis zum Präsiden beweist, daß unsere heutige Aktivitas noch immer gern denen folgt, von denen sie den Glauben hat, daß sie ihren Weg mit zu beschreiten .willens sind. Auf der anderen Seite mußte diese Jugend zum Ausdruck bringen, daß auch die, denen sie durch äußere und innere Entwicklung niehr oder weniger fremd geworden ist, zu ihr und zum Kartell gehören und darüber hinaus zu zeigen haben, wie sie an ihrem Platze den heutigen Forderungen der zionistischen Bewegung gerecht werden. % Die Aktivitas verlangte deswegen die Einberufung des Altherrentages in berechtigtem Verantwortungsgefühl für das Kartell. Im Mittelpunkt der Verhandlungen standen zwei Fragen, die aber in sich auch eine Einheit bilden, die Berufsfragen und die Dienstpflicht. Während sich bei der Frage ,,Berufsumschichtung" zwei Meinungen gegenüber standen, die in