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Der jüdische Student · 1920-12-01 · Heft 6 (Dezember 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 6 (Dezember 1920)
Date
1920-12-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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294 * Zur Frage des Unterrichts im KJ-V. heitliehkei t' der Methode (einheitliche Lehrbücher, Festsetzung für Lernstufen) angestrebt wird, wo der Schüler bei Wechsel von Ort und Lehre lücht unterrichtstechrdsch gehemmt und zurückgeworfen wird. Über die Notwendigkeit des offiziellen hebräischen Sprachunterrichts ist kein Wort zu verlieren, nachdem hoffentlich jedem Zionisten klar geworden sein wird, daß triebhafte und schöpferische Grundlagen zur Erziehung und Entwicklung des jüdischen Menschen nur so gewonnen werden können, daß wir die papierne Wand, die uns von den unverfälschten geistigen Kulturschätzen unserer Nation trennt, niederreißen und uns so zu uns selbst zurückfinden. B.) Tendenzunterricht. Der sogenannte Tendenzunterricht ist unentbehrlich zur Einführung in die zionistische Gedankenwelt und in Geschichte und Entwicklung der jüdischen Volksbewegung. Nur muß folgender Gesichtspunkt maßgebend sein: die Vermittlung des Stoffes muß in einer kurzen, prägnanten Form geschehen. Es erscheint mir gerade aus pädagogischen Gründen gegenüber den Bundesbrüdern, die nicht als fertige Gesinnungszionisten in das K. J. V. eingetreten sind, sehr zweckmäßig, Selbstverständlichkeiten auch als solche darzustellen. Es ist m. E. ein verfehlter Weg, durch psychologische Einfühlungskunststücke und Sezierung alles für uns Selbstverständlichen zum Zionismus zu erziehen. Eine Erziehung zu Männlichkeit, Persönlichkeit und Zionismus ist nur möglich, indem versucht wird, die granitnen Fundamente unserer Anschauung und unseres Wollens aufzudecken. Wir haben stets am besten gewirkt, indem wir uns das für uns Selbstverständliche als Norm setzten und darauf zuschritten,* ohne Rücksicht auf echtes und simuliertes Asthma rechts, links und hinten. Alles verzeihen, heißt nichts verstehen. — Zum Stofflichen ist kaum etwas zu sagen, da langjährige Erfahrungen der V. J. St.en auf» diesem Gebiete zu einer klaren, sogar im allgemeinen ziemlich einheitlichen Praxis geführt haben. C) Geschichtsunterricht, Hier sind die Schwierigkeiten größer, insofern als selten mit den nötigen Kenntnissen des Stoffes und der historischen Methode begabte Lehrer zur Verfügung stehen. Auch wo solche Kräfte vorhanden sind, ist. wie mir scheint, folgendes System am Platze. Im Laufe des Semesters wird eine kurze charakteristische Periode jüdischer Geschichte behandelt, dafür aber mit aller Gründlichkeit. Z.B. nicht etwa die ersten fünf Jahrhunderte unserer staatenlosen Geschichte, sondern „nur" das. Zeitalter des Stifters des Christentums, nicht etwa die spanische Epoche, sondern das Zeitalter Rambams, nicht die Geschichte der letzten 150 Jahre, sondern nur die Haskalaperiode usw. Dadurch wird es möglich, sich wenigstens von einer kleinen Epoche jüdischer Geschichte eine gute Anschauung zu bilden; anstelle des Filmbildes der sonstigen Unterrichts-, praxis tragen wir einen plastischen Eindruck davon, der den Interessierten zu weiterer selbständiger Arbeit, anregt. Ein solcher Unterricht durch mehrere Semester kann die verschiedensten Epochen behandeln, und wenn möglich, kann ein historisches Konservatorium unter Leitung eines kundigen Bundesbruders dem Auffinden und dem Verständnis der großen Zusammenhänge dienen. — So wichtig auch die Vermittlung von Kenntnissen auf diesem Gebiete ist, noch wichtiger sind die Möglichkeiten, die im jüdischen Geschichtsunterricht für die geistige Erziehung und Disziplinierung liegen. Endzweck ist und muß hier sein: die Erziehung zum historischen Denken. Das heißt, — zur Anschaulichmachung gleich auf unseren Fall angewandt — daß keine noch so schnelle Enttwicklung wie etwa die der jüngsten Periode jüdischer Geschichte es gestattet, so komplizierten Dingen wie der geistigen Kultur unseres Volkes mit von außen gebrachten Maßstäben des zurückgekehrten westeuropäischen Juden gegenüberzutreten, geistigen Gütern, deren Erhaltung wir

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