Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte der Präsidialressorts 261 nistischen Bewegung, hervorgerufen war, ferner eine nicht zu unterschätzende Unerf ahr ehheit u nd Unzuverlässigkeit der jungen Bundesbrüder in den Verbindungen in bezug auf die Wichtigkeit und die Durchführung technischer Angelegenheiten. (Ich habe hierüber im vorletzten J. St. näher berichtet.) Schließlich hat auch eine gewisse Rolle gespielt, daß ich persönlich zu überlastet war, um mich, wie im Vorjahre, den Arbeiten des Keilressorts zu widmen, und daß es vorläufig noch überaus schwierig ist, geeignete jüngere Bundesbrüder zu Hilfsarbeiten heranzuziehen. Ich k habe auch absichtlich große Zurückhaltung geübt in der Versendung von Rundschreiben und von Mahnungen, weil ja von allen Seiten geschrieben wird, daß das Präsidium sparen solle, und daß man von unnötigen Schreiben überschüttet würde. Bei unseren Bundesbrüdern sind eben einmal solche „unnötigen" Briefe nötig, und es rächt sich bitter, wenn man auf solche Mittel verzichtet. Ein bewußter Widerstand gegen die Keilarbeit, wie im Vorjahre, ist in diesem Jahre nirgends geleistet worden, und nur die Freiburger Verbindung hat im Sommer Bedenken erhoben gegen die systematische Durcharbeitung der Keillisten. Man wollte dort nur solche Keilfüxe heranziehen, die man durch Ausdehnung des eigenen Kreises in Bekanntschaften, die sich gewissermaßen von selbst ergeben, gewinnen konnte. Es ist klar, daß man, wenn man auf die systematische Bearbeitung der Listen verzichtet, die Keilergebnisse dem reinen Zufall überläßt und daß man alsdann nicht jiur zahlenmäßig sehr viele Keilfüxe ohne Kampf aus der Hand gibt, sondern vielleicht auch, wenn es der Zufall will, gerade die qualitativ besten. So ist denn auch das Keüergebnis der Freiburger Verbindung im Sommersemester recht mäßig gewesen." Sehr mäßig ist auch das Ergebnis in München. Gerade hier zeigt sich immer wieder, daß die Keilarbeit nicht mit Wucht durchgeführt werden kann, wenn die Bundesbrüder zu spät an den Ort ihrer Verbindung kommen und infolge dieses Umstandes oder infolge der üblichen Konventsreden nicht schnell genug zur Konstituierung der Verbindungen und zum Beginn der Arbeit kommen. Hierbei weise ich auf die Tatsache hin, daß der Schwerpunkt der Keilarbeit, der sonst in den ersten vier Wochen des Semesters lag, sich in diesem Jahr erheblich nach der 'Mitte des Semesters verschoben hat, was für das Verbindungsleben sicher ungünstig wirkt. Diese Erscheinung zeigt, daß die Verbindungen sich zu spät sammeln, und daß die Arbeit in den Heimatsbezirken mangelhaft ist, sie ist allerdings zum Teil auch dadurch hervorgerufen, daß die~Verbindungen die Keilfüxe vor der Aufnahme länger zu prüfen scheinen. Der V. J. St. Berlin und die Breslauer Verbindung waren naturgemäß durch die Spaltung betroffen und in ihrer Elastizität herabgedrückt. Wirklich