Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1920-02-01 · Heft 1 (Februar 1920) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 1 (Februar 1920)
Date
1920-02-01
Page
[Seite] (sequence 60)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3537599-3537754-3537755--4861-3543025
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

60 Antisemitismus in der Studentenschaft schaffendes Prager Kartell in innigster Verbindung mit dem K. J. V? realisierbar. Voraussetzung: Ueberweisung eines tüchtigen K. J. V.^ers auf kurze Zeit. Lebensverhältnisse ausgezeichnet (erstklassige Verpflegung 15 tschechische Kronen täglich), gesellschaftliches Leben recht gut, Wohnungsverhältnisse schlecht, aber für einen wird Barissia Wohnung finden. Gute medizinische Fakultät, mittlere juristische und philosophische und Technik {deutsche Unterrichtssprache). Prüfungen recht leicht Wechsel von 700 bis 1000 tschechische Kronen erforderlich. Die slovakischen Studenten wären später ein gutes Ueberweisungsmaterial für unser K. J. V., da sie materiell gut gestellt sind und meist Medizin studieren. Nur mit Rücksicht auf die spätere Unmöglichkeit der eventuellen Inskribierung des betreffenden ßundesbruders sende ich dieses Schreiben direkt an das Präsidium. NB. Der betreffende Bundesbruder könnte auch im bürgerlichen Leben viel nützen, da es an Organisatoren auch dort mangelt. Beweis: Heute noch ist die Mehrzahl der Prager Juden deutsch-orientiert, obwohl die politischen Verhältnisse uns so entgegenkommen. Er soll aber auch über den Volkssozialismus orientiert sein, da die Poale-Zion heute hier die ganze Initiative an sich reißen. R. Ph. Antisemitismus in der Studentenschaft Ein Rundschreiben des Präsidiums Berlin, 29. Januar 1920. Liebe Bundesbrüder! Aus einer Reihe von Verbindungen erhalten wir die Mitteilung, daß in der dortigen Studentenschaft sich Bestrebungen bemerkbar machen, die darauf abzielen, die Juden aus den offiziellen Studentenvertretungen, der Klinikerschaft oder Aehnlichem, auszuschließen, und dies zum Teil mit dem ausdrücklichen Hinweis auf unsere naiionaljüdischen Bestrebungen, indem sie betonen, daß wir als Nationaljuden nicht Anspruch auf volle bürgerliche Gleichstellung hätten. Die Angelegenheit ist für uns insofern wichtig, als daraus Folgerungen für die Studiumsmöglichkeiten an den Universitäten überhaupt sien ergeben können, ferner für die allgemeine Anerkennung unserer staatsbürgerlichen Rechte als National juden. Unser Standpunkt zu der Angelegenheit ist der, daß wir deutschen Juden als deutsche Staatsbürger die Durchführung der verfassungsmäßigen Gleichberechtigung verlangen, und daß Staats Zugehörigkeit und Nationahtätsbekenntnis durchaus nicht identisch sein müssen. Der Weltkrieg hat in dieser Beziehung die Anerkennung der Rechte der kleinen Nationen und das Sebstbestimmungsrecht aller nationalen Minderheiten zumindest auf kulturellem Gebiet gebracht. Im übrigen wird in Deutschland keine nationale Autonomie verlangt. Die Begriffe Nation und Staat sind nicht identisch, und wenn man in Deutschland (Germanisierungsversuch in Polen, Elsaß, Littauen usw.) vor dem Kriege nach dieser Auffassung handelte, so war das ein Irrtum, zumindesten Rückständigkeit. Für uns gilt die reine Rechtsfrage, d h., daß jeder einzelne Staatsbürger durch die Erfüllung seiner Pflichten dem Staate gegenüber sich den Anspruch auf die daraus sich ergebenden Vorteile und Rechte erwirbt. Sollte eine Studentenversammlung in irgendeiner Form den Beschluß fassen, Juden aus der Studentenschaft auszuschließen, . oder irgendeine studentische Körperschaft geschatfen werden, von der die Juden ausgeschlossen sind, so raten wir Euch, sofort die Erklärung abzugeben, daß diese Körperschaft von Euch nicht als ein Organ der Studentenschaft, sondern höchstens

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.