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Der jüdische Student · 1920-08-01 · Heft 4 (August 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 4 (August 1920)
Date
1920-08-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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Hirsch, Der 8.' Turntag des Deutschen Kreises der jüd. Turnerschaft: 18? Seite diejenige gegenüber, die die Turnerschafi zu einer engeren Gemeinschaft umgestalten will Sie wurde in der Hauptsache von uns K.J. V.-e n und den Berliner Bar Kochbanern vertreten. Wir argumentierten folgendermaßen : Die Turnerschaft von heute ist infolge ihrer ganzen Zusammensetzung, infolge ihrer Erziehungsmethoden, soweit überhaupt solche vorhanden sind, für die jüdische Jugendbewegung vollständig wertlos. Es gibt augenblicklich in der Turnerschaft weder jüdische noch jugendliche Menschen. Vielmehr sind auch die ganz Jungen schon so von dem balbatimhafien Verdienergeist assimilierter Juden angesteckt» daß eine radikale Unigestrltung bei ihnen mit den heute angewandten Mitteln in der Tat unmöglich ist Wenn wir überhaupt etwas erreichen wollen, so ist unsere wichtigste Aufgabe: Jugendarbei t, Hinter dieser hat jede andere Arbeit zurückzustehen. Wir müssen jeden menschlich und zionistisch geeigneten Mann aus den Männerabteiiungen heranziehen und ihn in eine jugendabteilung als Führer oder Hnfsfuhjrer stecken. Der Geist, mit dem wir an diese Jugendarbeit m gehen haben, kann und darf nur radikal zionistisch sein. Wir^ müssen vor allen Dingen jetzt intensive Arbeit leisten, ohne die Arbeit in die Breite vollständig' zu vernachlässigen; jedoch soiü auch diese sich ausschließlich auf die Jugend erstrecken. In diesem Rahmen bewegte sich die Haupt* ..debaite. Ich betrachte die Tatsache, daß diese Tendenzdebatte überhaupt zur Sprache kam* daß dieser prinzipielle Unterschied mit der größten Schärfe herausgearbeitet wurde, als einen E r f o i g. Ich war, wie gesagt, ohne große Erwartungen zum Türntäg hingegangen* hatte eine derartige Debatte nicht erhofft und war infolgedessen angenehm enttäuscht Daß die nachher stattfindende Abstimmung zu unseren Gunsten ausfiel, möchte ich nicht als irgenwie positiv oder glücklich bezeichnet wissen. Ich weiß, daß diese Abstimmung, wie so oft, von Augenblickszufätlen, von Stimmungen abhängig war, daß hier die unmittelbar vorangegangenen Reden die Delegierten stark beeinflußten, daß vielleicht sogar falsch gestimmt wurde* ja ich weiB sogar, daß dieser Abstimmung die Taten nicht entsprechen werden. Aber noch eins will ich als einen Erfolg von nicht zu unterschätzender Bedeutung bezeichnen, nämlich die Tatsache, daß die alten Bar Kochbaner, zum Teil Mitbegründer der jüdischen Turnerschafi, d:e infolge langer Tätigkeit über eine reiche Erfahrung verfügen, daß diese aHen ßar Kochbaner sich entweder vollkommen zu "unserem Standpunkte bekannten oder doch ihm stark hinneigten. Ich erwähne besonders eine Rede von Scholent die, gänzlich unerwartet von dieser Seite, den radikal zionistischen Standpunkt vertrat und in der Schülern offen zugab, daß die bis jetzt laue nationaijücische Arbeit in der Turnerscbait vollkommen erfolglos gewesen sei, und daß man jetzt endlich die neuen jugendlichen Ideen durchsetzen müsse. Diese ganze Lage der Turnerschaft ist zu einem nicht geringen Teil Schuld der K. J. V. - e r. Wir haben, bis auf gam: geringe Ausnahmen? die Arbeit in der Turnerschaft entweder als unwesentlich betrachtet, oder sie überhaupt vollständig negiert Wenn IC J. Wer in der Türnerschaft zu arbeiten versuchten, so gingen sie als Vorstandsmitglieder eder bestenfalls als Kursleiter in den Turnverein, ohne natürlich irgendwelche Fühlung mit den einzelnen Mitgliedern bekommen zu können» Wir wollen jetzt versuchen! Jugendarbeit zu leisten. Es ist jedoch klar, daß die Turnvereine, besonders in der Provinz, über die nötigen Kräfte nicht verfügen. An n n s liegt es daher, ob die Arbeit fruchtbar sein wird, oder ob der alte Schlendrian in der Turnerschaft weiter so gehen wird, wie bisher. Unsere Bundesbrüder, die im Vorstande der Titrnerscbait ein Amt bekleidet hatten, haben die Wiederwahl abgelehnt in dem meines Erachtens richtigen Ge'Qhi, daß heute die Arbeit im Vorstand für dte Entwicklung unwesentlich ist, und daß jetzt alte nur irgendwie verfügbaren Kräfte Jugendarbeit zu leisten haben. Deshalb ist auch die Wahl Kfoizeis zum -ersten Vorsitzenden, der auf dem Turntag einen von iim abweichenden Standpunkt eixtgenommm hat, ohne große Bedeutung für

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