Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 4 (August 1920)
- Date
- 1920-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3537599-3537754-3537758--4974-3542916- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Pick, Die innere Situation des Kartells Stadium erhöhte, ja sogar entscheidende Bedeutung. Der klassische Satz, den Walter Deutschmann einmal in der Zeit des heftigsten „Ringkampfes" schrieb; „Der Schiller-Kragenwird doch bei allen allmählich durch den Frack verdrängt," stimmt nicht Dann war der Schiller-Kragen eben nur aus Versehen umgebunden, ein Toüettefehfer. v Q Es ist sicher einevgroße Gefahr dabei, unterirdische Strömungen, Entwicklungsten4enzen, „bewußt" zu machen und dies alles auszusprechen. Und nicht die kleinste Gefahr ist die des — gewollten und ungewollten — Mißverstandenwerdens. Aber die augenblickliche Lage zwingt zum Reden* Man könnte von mir verlangen, das K. J. V., wie ich es sehe, nun bis ins Kleinste zu schildern, aber ich muß darauf verzichten, ein „System" zu geben. Ich bin sogar eben schon zu weit gegangen; denn man kann eine Bewegung nicht in Paragraphen pressen,, Leben nicht auf eine mathematische Formel bringen. Daher ist es auch müßig untersuchen zu wollen, zu wieviel Teilen das K. j. V. „Organisation**, zu wieviel es ^Gemeinschaft^ sein müsse, ob es „Männerbund" oder „Zweckverband*' sei usw. , Was wir wollen, ist zunächst nicht viel: nämlich die Lei iisierung oder vielmehr die Anerkennung eines bestehenden Zustandes. Zumindestens aber: Verzicht auf Gegenwirkung, auch passiver, durch das „so Tun, als ob " Das nämlich vor allem macht uns die Situation und die ganze Atmosphäre im Kartelf so unerträglich. Das Präsidium braucht garnichts zu tun, um diese innere Umgruppierung des Kartells zu befördern. Diese geht von allein, da sie naturnotwendig ist, vor sich und muß von unim herauf geschehen. Höchstens die statutenmäßigen Hindernisse — hierher gehört die garnicht so sehr brennende Frage des „akademischen Kahmens" — könnten beseitigt werden. Vor allem liegt uns aber an der Reinigung der Atmosphäre. * Man braucht keine Furcht vor einem Zerfall des Kartells zu haben. Es bleibt, das zeigt die Erfahrung, noch vollauf genügend Gemeinsames zurück, um ein Kartell zu rechtfertigen, Dagegen wird die „innere Reibung" vermindert, Energien werden dadurch für produktivere Tätigkeit frei und, das ist das Wichtigste, das Kartei!, das jetzt nur ein Scheinleben führt, kann bei dieser natürlichen Gestaltung wieder aufblühen und die ihm zukommende Führung der zionistischen Jugend Deutschlands übernehmen. Noch einige Worte zur Frage der Dienstpflicht Auf die- Art der Begründung durch die Präsidiumskommission — sie bildete vor allem den Anlaß zu den obigen Ausführungen — brauche ich wohl nicht mehr näher einzugehen, . ich will nur zwei Sätze herausheben, Zunächst das Urteil des Präsidiums über den jetzigen Zustand des K. J. V,: „Das Frdwi'ligensystem würde bei der augenblicklichen Lage des Kartells nicht zu ge-