Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 4 (August 1920)
- Date
- 1920-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Pick, Die innere Situation des Kartells Tatsache, der natürlichen Differenzierung des Kartells nicht Rechnung trug, sondern — inkonsequent — auf halbem Wege stehen blieb. Man hatte vor „Gruppenbezw. Ringbildung« — Begriffe, unter denen man sich nichts vorstellte, man sah darin nur das Negative — einen hohror und vermochte nicht, sich von den aiten Anschauungen frei zu machen; trotz der veränderten Grundlagen wollte man möglichst das alte Gewand beibehalten, die „Einheit" des Karteiis widernatürlich wahren? Daran krankte die „Epoche Blumenfeld". Trotz aller Hemmungen ist die# Entwicklung weiter gegangen und jetzt im großen Ganzen* abgeschlossen. Unser Bund hat den Weg von der deutschen Studentenschaft zur jüdischen Jugendbewegung vollendet und füllt jetzt dort den Platz aus, der ihm vorbehalten war. K. J, V. und Blau-Weiß werden heute durch keine „Kluft" mehr getrennt: sie sind nur verschiedene Ausdru)cksformen derselben Bewegung. Hieraus folgt, daß es eigentlich für das K. J. V. nur noch ,.Organisationsfragen,f (im weitesten Sinne) gibt und alle übrigen Probleme unier der oben gezeigten Perspektive zu betrachten sind. Es ist nur natürlich, daß jefzt die alteren Blau-Weißen — im Gegensatz zu früher — ins IC j. V. „hineinkommen". Vorbedingung ist für sie nur? daß dadurch von ihnen nicht das Aufgeben irgendwelcher Prinzipien verfangt wird* Andererseits kann man von dem Teil unserer ßundesbrüder^ die nicht aus dem Blau-Weiß kommen, oder — das ist das Entscheidende — ihrer ganzen Wesensart nach nicht zum Blau-Weiß gehören, der doch — im Gegensatz zum K. J. V* — nur Menschen eines bestimmten Schlages umfassen will und kann, nicht verlangen, daß die Art ihres Zusammenlebens „biau-weißmäßig" sei* daß sie, die im K. J. V. Bedürfnisse anderer Art befriedigt sehen wollen, resignieren» Hier die mittlere Linie ziehen zu wollen, um die „Einheit14 aufrecht zu erhalten, ist verkehrt und unmöglich* Die einzige Lösung ist die Gruppenb f 1 d u n g, die sich in Wirklichkeit schon fast überall — jedenfalls dort, wo K* j. V*~Leben herrscht — nach irgend welchen Gesichtspunkten (die letzten Endes doch die gleichen sind) vollzogen hat. Sei es durch „Arbeitsgruppen" innerhalb derselben Verbindung, oder durch besondere Verbindungen, die sich ohne großen organisatorischen Aufwand und ohne Kosten (s. München,} fast überall machen lassen. Ein Einwand wird 'sicher wieder gemacht werden: dal! eine solche Gruppenbildung gleichzeitig ein Werturteil über die einzelnen K. J. V.-er ergeben würde, Dazu läßt sich nur sagen, daß dies nicht der Faf?, da die Scheidung nicht nach Qualität sondern freiwillig erfolgt. Außerdem laßt sich die Tatsache, daß diesebeiden Menschenrassen auch bei uns vorhanden' sind,, nicht hinwegdiskutieren, und diese Tatsache hat, wie oben ausgeführt,. für das ' fC J. V.; im . gegenwärtigen Entwicklung^