Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 4 (13.10.1915)
- Date
- 1915-10-13
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Alfons Paquet, In Palästina, Verlegt bei Eugen Diederichs in Jena 1915. Preis brosch. 3.—, geb. 4.— M. Ich darf im wesentlidieti auf die Besprechung verweisen* die das schöne Buch durch Calvary in der „Jüdischen Rundschau" erfahren hat. Es ist mehr als die Dichtung vom Lande Pa!ästina. Es ist auch kulturpolitische Spekulation über die geistige Erneuerung Deutschlands und Europast gegeben von einem Manne, dessen aus christlichem Boden erwachsenes Denken und Dichten leidenschaftlich erregt ist durch den Besuch des Landes, von dem schon einmal das Heil ausgegangen ist Er begreift den Zionismus, als die Sehnsucht der fuden nach Heimkehr und Einkehr, aus den Wünschen seiner deutschen Seele, in der es klingt : „Was bedeutet unseren Herzen, die glauben und sich verschwenden wollen, der wissenschaftliche Monismus und der energetische Imperativ!a, ■■ und die erfüllt ist von „den Erwarten eines entscheidenden Ereignisses im deutschen Geistesleben, das mit dem kleinen bäuerlichen Haufen der Templer in Palästina eine immer größere Schar der Gleichgesinnten im Muttervolk verbindet". Ja, indem er mehr prophezeit als daitut, „daß, wer hinausgeht und dort draußen eine geistige und rechtliche Stellung sich schafft, am stärksten einst zurückwirken wird auf das alte Europa", wird ihm — so scheint es fast — der Zionismus zu einem Oberbegriff für alles Streben nach Einheit, Glauben, Erneuerung. Und er erwartet ton dem Aufleben des Judentums, ^dessen Probleme im Zionismus gesammelt sind" große, vielleicht entscheidende Wirkungen. fr Alfred Knofalcfch, Gläserne Wände. Roman. Verlag Morawe & Scheffelt in Berlin. Preis AI 4 brosch., M. 5.50 geb. Dieser neue Judenroman aus der Feder eines Berliner Rechtsanwalts, früheren Oberbürgermeisters von Bromberg, kann den Bundesbrüdern sehr empfohlen werden. Wieder einmal ist es (trotz des Namens) kein Jude, der das Problem des modernen Juden dichterischer, kraftvoller gestaltet hat, als es je ein westjüdischer Schriftsteller vermocht hätte. Der Roman des genialen Kaufmannes, der aus bescheidenen, kleinjüdischen Verhältnissen zu großer, industrieller Macht emporsteigt, und sich, in dem Maße, wie sich seine Kinder dem Judentum entfremden, seiner Art immer mehr bewußt wird, wäre vielleicht von einem Juden mit größeren psychologischen Feinheiten ausgestattet werden. Den Juden hätte wahrscheinlich die — hier in Andeutungen stecken bleibende — Figur des blasierten Sohnes mehr gereizt. Knobloch versenkt sich in den Charakter des Vaters, eines Mannes „vom alten Schlage*, und die Tragödie der jüdischen Dekadenz gelangt so zur Darstellung, daß sich ihre Eindrücke in der Seele dieses einfachen, entschiedenen Mannes erschütternd widerspiegein. Der kennt keine Probleme, derer er nicht Herr werden könnte. Als sich seine Tochter einem Christen vermählt, bricht er zwar zusammen, aber auf seinen Grabstein läßt er die Worte setzen : „Ich war Deutscher und bin Jude geworden!*4 fr Kriegsbriefe deutscher und österreichischer Juden. Herausgegeben von Dr. Eugen Tannenbaum. Neuer Verlag, Berlin. 1915. Man wird diesem Buche Geschmack nur abgewinnen können, wenn man es als ein .kulturgeschichtliches Dokument betrachtet. Die Briefe, die es enthält, sind an und für sich literarisch belanglos. Und, daß es jüdische Soldaten gibt» die sich ihres Judentums im Schlachtenlärm erinnern, ist unserer Zeit nicht merkwürdig genug, als daß es ihr — so ausführlich ~ hätte dargetan werden müssen. Aber späteren Geschlechtern wird es wertvoll sein, zu wissen, daö man damals in großen europäischen Zeiten schon (oder — noch) so stark jüdisch gefühlt hat Darum ist die Sammlung der Briefe ein verdienstvolles Werk. Daß der „Jüdische Verlag*' hier unter dem Namen „Neuer Verlag" auftritt, ist höchst erstaunlich. fr Druck: Buchdruckerei Wilhelm» SmnsA Co.. Berlin S Wr_ liollmanastr. 10