Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 3 (12.8.1915)
- Date
- 1915-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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64 13er judische Student unser Ziel und Streben fehlt In dieser Zeit geschah es, daß* der junge Journalist Theodor Herz! eine Konstruktion zur Lösung der Judenfrage erfand und von den Juden, die er nicht kannte, wie sie ihn nicht kannten, sofort die Ausführung forderte. Da traten die Alten aus ihren Konventikeln, die Jungen scharten sich zusammen, in die Massen kam Leben;■ '■ vUnd '-alle iolgtea sie dem Einen, Theodor Herz!, der die Tat getan hatte, jeder nahm den Platz ein, den er ihm wies; jeder tat die Arbeit, die e r verlangte. Und auch der Letzte schuf freudig am Werke mit Die über alles Bestehende gespottet hatten, setzten einen König über sich, der sie beherrschte, je mehr seine Macht wuchs, um so abgöttischer verehrten, um so heißer liebten sie ihn. Ein Brief von ihm war ihnen eine Reliquie, die man sorgsam hütet, Ihren Kindern gaben sie seinen Namen. Und als er starb, als sie ihr Kleid zerrissen, da ging ein Riß durch ihr Herz, und sie glaubten, ohne ihn nicht mehr sein zu können. Da" trblühte schon in jenen weihevollen Trauertagen aus dem geschichtlichen Herzl die mythische Gestalt Wir sind auf dem Wege. Herzl, der uns voranging, ist nicht mehr. Er, der Dichter, der nicht dichten wollte, suchte nicht, er fand. W i r suchen wieder. Wir sind ja Juden. Wir schürfen nach Judentum, Wir arbeiten an der Vertiefung unseres Judentums. Der Form, so sagen wir, die Herzl schuf, wollen wir einen Inhalt geben. Allen den treuen und ehrlichen Arbeitern, die am Werke sind, sind wir dankbar. Wir wollen immer emsiger in die Tiefe steigen, um die Schätze zu heben, die da unten ruhen. Aber bei af! der Arbeit in den Stollen und Schächten wollen wir niemals vergessen, daß über Tage eine Sonne uns leuchtet: HerzL Die Machte die der lebende Herzl besaß, sie muß immer mächtiger werden jetzt, da er uns entrissen ist. Ihn, der uns Stolz und Freiheit gab, sollen unsere Jungen als unsern Helden ehren. Die Beschäftigung mit Herzl gibt ihnen ein so köstliches Besitztum, daß wir sie vor alle Erziehungsprobleme stellen müssen. Den Zauber der Zeit des Werdens soll unsere Jugend in vollen Zügen kosten. Sie, die auf schon gebahnten Wegen vorwärtsschreitet,, soll sich immer und immer der Anfänge erinnern und jenes Großen, ohne den wir nicht wären ■;H^rzL-.;:'"^.:- V,