Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 12 (1915-1916)
- Issue
- Heft 3 (12.8.1915)
- Date
- 1915-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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62 Eter jüdische Student Es wird auch dann eine Richtung im Judentum geben, besonders in Deutschland^ welche versuchen wird, die Frage ihres Judentums aus dem Gefüge der internationalen Jüdenf rage zu reißen und im Falle der deutschen Juden eine deutsche Judenfrage zu konstruieren. Vor hundert Jahren hat man mit bedeutendem Erfolg das Judentum zu entmaterialisieren versucht, es auf eine spiritualistische Lebensformel gebracht; heute wird das nicht mehr möglich sein. Ein großer Teil der Juden hat aus der verschwommenen Ideenwelt der Assimilation den Weg zu nationalem Selbstbewußtsein gefunden, und die Umwelt, die eben jetzt den Begriff und den Wert nationaler Eigenart erkennt, ist nicht mehr durch zweifelhafte philosophische Deduktionen über das Wesön des Judentums zu täuschen. Nach dem Kriege wird es die Forderung des Tages sein, dem jüdischen Volk und seinen Existenzbedingungen das Verständnis der Allgemeinheit zu erkämpfen. Für die Judenheit der Assimilationsländer bedeutet diese Erstwicklung Bruch mit aller Tradition, Die Juden dieser Länder haben bisher nur eine sekundäre Judenpolitik getrieben, indem sie ihre jüdischen Interessen in den Rahmen innerpolitischer Streitfragen gezwängt haben. Von außen und von innen werden sie nun vor das Problem der jüdischen Nationalität gestellt werden. Dieses Problem, das zu einem Kampf wort geworden ist in der politischen Realität: Zionismus. Auch ohne den Krieg wäre die Entwicklung der Judenfrage an diesen Punkt gekommen, aber natürlich viel langsamer. Eine mühsame Eroberungsarbeit hätte die nächste jüdische Generation uns gewinnen sollen. Ein wesentliches Instrument dieser Aktion ist das K.J. V.¬ Seine Bedeutung und sein Zweck ist die innere Eroberung des deutschen Judentums. Dieser Aufgabe gerecht zu werden, vermag eben nur eine Organisation, die in intensiver und gleichartiger Erziehungsarbeit ihre Mitglieder ganz unserer Idee gewinnt, eine Gemeinschaft, der durch die Wirkung eines auf Freundschaft basierten Zusammenlebens die Möglichkeit gegeben ist, den idealistischen Inhalt der Bewegung auf den Einzelnen zu übertragen. Hätten wir die Fusion nicht geschlossen, hätte die Neuentwicklung, das gemeinsame Erlebnis dieses Krieges sie erzwungen/ Wir können stolz darauf sein, daß unsere zioni-