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Der jüdische Student · 1915-06-11 · Heft 1 (11.6.1915) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
12 (1915-1916)
Issue
Heft 1 (11.6.1915)
Date
1915-06-11
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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17 isnd judischen Kommilitonen unbeschränkt ihre Pforten öffneten, würde nichts ändern, denn der K-C ist längst über rein s tud e n 11 sehe Aufgaben h inau sge wachs en, und sein Kampf gilt auch den allgemein-jüdischen Aufgaben. Zu diesen inneren Problemen tritt das äußere des Ostj u d en tu m s. Es ist anzunehmen, daß infolge des Krieges der Westen mit den Juden des Ostens in innigere Berührung kommen wird. Zwar würden auch die Ostjuden dann den Weg der Kulturassimilation beschreiten, was man in manchen Kreisen des Westjudentums bedauern kann, aber nicht zu hindern vermag. Aber bis zur Vollendung dieser Assimilation kann ein Menschenalter und mehr vergehen* und diese Ueberg^ngsperiode würde für alle Juden eine Zeit des Unbehagens werden, da dann aus begreiflichen Gründen ... , ein ausgedehnter Antisemitismus entstehen würde, der sich naturgemäß gegen die eingesessenen deutschen Juden ebenso richten würde, wie gegen die Neulinge. Nicht die äußeren Kämpfe würden für die deutsche judenheit gefährlich werden, denn es ist nicht zu bezweifeln, daß jeder unberechtigte Angriff an der Phalanx eines einigen und selbstbewußten Judentums scheitert. Auch die Kämpfe im Innern des Judentums sind im Grunde von wenig Wichtigkeit, denn die Assimilation kann man bekämpfen und aufzuhalten suchen — und man wird es vornehmlich aus Gründen der Gemeindepolitik tun il l!} — aber Naturnotwendigkeiten kann man nicht humern. Daß jedoch so mancher Westjude, der sich bei aller Glaubenstreue dem polnischen Juden nicht wesensverwandt fühlt, äjrcfk* Anfechtungen erleben wird, daß die Treue zum Judentum unter solchen Umständen bei vielen schwachen Charakteren nicht standhaften wird, daß Abf<tfl im größten Maße ebenso eintreten könnte, wie es das deutsche Judentum aus ähnlichen Gründen im Anfange des achtzehnten {gemeint ist offenbar: neunzehnten]Jahrhunderts erlebt hat, wird man keinem übel nehmen können — sagt Gold mann immerhin doch nicht, sondern ist eine Gefahr, mit der wir rechnen müssen, der wir nicht früh genug entgegentreten können. Was ergibt sich daraus? Wie nie zuvor ist die Zukunft der deutschen Judenheit durchaus abhängig von der Arbeit des K. C Es genügt ja im allgemeinen, den Text der K. G-Btätter für sich selber sprechen zu fassen; er spricht dann Bände. Aber d?e Bemerkung, die Assimilation werde auch weiterhin aus Gründen der Gemeindepolitik bekämpft werden, kann doch nicht unbegleitet vorübergehen. Zwar ht sie in dem Zusammenhange ziemlich unklar; es ist nicht re:ht ersichtlich, ob das heißen soll, der Zionismus werde die Assimilation weiter aus diesen Gründen bekämpfen, oder ob der K. G und seine Kreise, die ja auch gegen die Assimilation wenigstens in ihren aUergröbsten Formen einschreiten, es um der Gemeindepolitik willen tun. — Welche Deutung auch richtig sei — die zweite scheint mehr für sich zu haben —, diese Auffassung, die den Kampf gegen die Assimilation mit taktischen Gründen, mit einer arm-

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